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Die Wahrheit über Die Ärzte: Mr. Dead and Mrs. Free

Irgendwann im letzten Frühjahr, kurz bevor Die Ärzte ihr zwölftes Studioalbum “auch” veröffentlichten, stellte ich für eine zitty-Titelgeschichte namens “Die Wahrheit über Die Ärzte” verschiedenen Wegbegleitern der “besten Band der Welt” eine Frage. Weil daraus meist doch ein paar mehr wurden, an dieser Stelle: Ina Winkels, Plattenhändlerin bei Mr. Dead and Mrs. Free in Berlin-Schöneberg, dem Plattenladen, dem auch Die Ärzte vertrauen.

Sind Die Ärzte gute Kunden?

Ina Winkels: Anderthalb Ärzte bedienen wir. Bela kommt häufiger, Rod selten, den anderen habe ich noch nie hier gesehen. Doch, einmal.

Ina Winkels, Mr. Dead And Mrs. Free
Kennt Die Ärzte auch als ihre Kunden: Ina Winkels vom berühmten Berliner Plattenladen Mr. Dead And Mrs. Free

Was heißt häufig?

Ina Winkels: Kommt darauf an, wie oft er in Berlin ist, Bela pendelt ja immer zwischen Berlin und Hamburg hin und her. Je seltener er kommt, desto mehr kauft er dann. Er neigt zum Großeinkauf. Und er bevorzugt Damen! Er kauft gerne Musik von attraktiven Frauen. Nicht etwa von krawalligen tätowierten Männern, dann doch eher von gut geschminkten tätowierten Frauen!

Zum Beispiel?

Ina Winkels: Zum Beispiel Lanie Lane, eine Australierin. Fifties-Retrolook, Ausschnitt, rote Lippen, enge Röcke.

Vinyl oder CDs?

Ina Winkels: Er kauft CDs.

Nochmal: Die Ärzte sind also gute Kunden?

Ina Winkels: Sie sind sehr gerne gesehene Kunden. Bela ist ein sehr angenehmer, einfacher Kunde, der weiß, was er will, sich aber auch gerne beraten lässt. Wir können seinen Geschmack gut einschätzen. Ein dankbarer Kunde, ein echtes Win-Win. Rod weiß immer was er will. Diese eine Platte, die ihm fehlt. Der kauft nicht so Tonnen.

Die Ärzte haben also einen guten Musikgeschmack?

Ina Winkels: Ja. Für Jan kann ich nicht sprechen, aber Bela definitiv. Der hat auch einen sehr offenen, breiten Geschmack und ist kenntnisreich, hört nicht nur Sachen die sich zum Beispiel anhören wie Die Ärzte.

Gab es denn nie einen Fehlgriff?

Ina Winkels: Eigentlich nie, nein. Er ist auch ein sehr treuer Käufer von anderen deutschen Bands, ein richtiger Unterstützer des lokalen Nachwuchses. Da fragen wir manchmal schon: „Bist Du sicher, dass Du das wirklich brauchst?“ Und er sagt: „Ich weiß, dass das nicht so gut ist, aber ich muss die unterstützen!“ Er oder seine Entourage müssten dort nur einmal anrufen, und die Bands würden ihm ihre CDs mit Kusshand schenken. Er legt aber Wert darauf, sie zum vollen Preis zu kaufen. Und wenn er sie dann weiterverschenkt. Dafür kauft er die Platten manchmal gleich zweimal. Er ist ja auch wie seine Band ein großer Unterstützer ihrer Supportbands. Das finde ich total sympathisch.

Ist er Euch immer treu geblieben oder geht er fremd?

Ina Winkels: Wenn er nicht in Berlin ist, kauft er sich natürlich mal eine Platte im Internet – und ist danach immer ganz aufgelöst. „Die musste ich mir jetzt schon bei Amazon kaufen, weil ich nicht warten konnte bis ich wieder in Berlin bin“. Und dann kommt er ein zweites Mal und verschenkt die dann. Damit er sie nicht nicht hier gekauft hat! Echt total nett, noch netter geht es nicht. Die Ärzte sind sehr einfach lieb zu haben.

Auch gefragt waren: John Niven, Flo Hayler, ein Arzt, ein Fan, Nagel, Klaus Wowereit, Hagen Liebing und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

Ein digitales Fotoalbum für die ganze Familie

Aus der zitty-Serie „Berliner Internet-Start-ups“: Wie 7Moments das analoge Fotoalbum ins Netz holen will

Die Idee klingt im ersten Moment wie eine aus den Frühzeiten des Web 2.0: private Fotos im Internet teilen. Das will das Berliner Start-up 7Moments seinen Usern ermöglichen, das wollten vor ihnen von Flickr über Facebook, Ning, Dropbox, Google Picasa bis hin zu Instagram und diversen Cloudanbietern schon Dutzende andere Dienste. Der erfolgversprechende Unterschied offenbart sich erst auf den zweiten Blick: Bisher hat es noch niemand verstanden, das analoge Fotoalbum ins Netz zu holen – so privat, persönlich und übersichtlich, wie ein gutes altes Fotoalbum für Familie und Freunde nun mal ist.

Die Idee zu 7Moments kam Geschäftsführer Stefan Kellner dank eines Nepal-Urlaubs mit Freunden. ‚Klar, unsere Bilder laden wir danach einfach im Internet hoch’, hatte es dort immer geheißen. Schnell merkte Kellner aber, dass es „den perfekten Dienst dafür nicht gab“. Gemeinsam mit Webdesigner und Twitter-Bekanntheit Markus Angermeier sowie Programmierer Dr. David Linner machte sich Kellner, der sein letztes Start-up Plazes.com 2008 an Nokia verkaufte, im Sommer 2011 deshalb auf, einen solchen Dienst zu entwickeln. Seit Anfang September 2012 ist 7Moments.com online für jeden.

7Moments
Die drei Gründer von 7 Moments: Markus Angermeier, David Linner und Stefan Kellner (v.l.) (Fotos/Screensho: 7Moments)

Die Oberfläche von 7Moments ist bewusst so einfach und funktionsarm wie möglich gehalten. Nach Anmeldung können Nutzer nicht mehr und nicht weniger als ein Fotoalbum erstellen, Bilder hochladen und Freunde einladen – zum Beispiel den Fußballverein, die Hochzeitsgesellschaft oder eben die Reisegruppe. Sehen, kommentieren und „liken“ kann nur, wer darf; eine Verlinkung von „draußen“ wird unterbunden; auch Suchmaschinen haben keinen Zugriff auf Bilder und Daten. „Sharing statt Broadcasting“ nennt Kellner das, Teilen statt veröffentlichen, „Quality time statt kill time“ – Qualitätzeit statt Zeitvertreib – Angermeier.

Die Hauptzielgruppe von 7Moments sind nicht die sogenannten Early Adopters, Heavy Users und Digital Natives, die wissen, was solche Kategorien überhaupt bedeuten. Es sind die Durchschnittsnutzer jeden Alters, die vom Internet einen Dienst erwarten, wie auch Kellner ihn nach seinem Nepal-Urlaub wollte: ein digitales Fotoalbum, das analog zu einem analogen funktioniert. Das nur die sehen, denen ich es zeige. In das – ob über Browser oder Smartphone – nur diejenigen Fotos kleben dürfen, denen ich das erlaube – und das auch noch gut aussieht. „Wir wollen die ganze Familie zusammenbringen“, sagt Kellner, der selbst dreifacher Vater ist.

Bisher finanzieren die drei Gründer ihr Start-up noch aus eigener Tasche. Langfristig wollen sie Geld mit speziellen Feature-Alben, mit mehr Speicherplatz, vielleicht sogar mit Werbung, auf jeden Fall aber mit dem Druck von digital angelegten Fotoalben verdienen. Auch da gibt es längst Konkurrenz – aber kaum eine, die für ihre Nutzer den Kreis von analoger zu digitaler Fotografie und zurück derart schließt.

(erschienen in: zitty 22/2012)

Kleine und große Geschäfte

Viele Onlineangebote versprechen Eltern nützlichen Service und Erleichterung des Alltags. Auch diese fünf Berliner Unternehmen setzen auf die Kaufkraft gestresster Mütter und Väter.

Kinderfee

Auf Kinderfee.de vermitteln Stefan Gärtner und Daan Löning deutschlandweit suchenden Eltern den passenden Aufpasser, geprüfte Betreuer oder Tagesväter- oder mütter für Ihr Kind und umgekehrt. Jobsuchende legen Ihr Profil inklusive Foto, Wohnort, Alter, Erfahrung, Sprache, Verfügbarkeit und gewünschtem Stundenlohn an, über ein Formular kann nach Anmeldung Kontakt aufgenommen werden. Das Unternehmen prüft die Plausibilität der Angaben anhand eingereichter Unterlagen, übernimmt aber keine Garantie. Nach erfolgreicher Vermittlung kassiert Kinderfee eine anteilige Provision. Allein in Berlin bieten aktuell rund 400 Babysitter ihre Dienste an. Ein Bewertungssystem über Sternevergabe soll zusätzlich für Transparenz und Entscheidungshilfe sorgen.

PRO: endlich Babysitter finden, ohne Freundeskreis und Familie nerven zu müssen

CONTRA: Vertrauen ist gut, Kennen ist besser

Tausendkind

Online-Shop, Ratgeber und Blog: Seit rund anderthalb Jahren will Tausendkind werdenden Eltern mit wertigen Produkten und Tipps den Alltag erleichtern und verschönern. Schwerpunkt und Geschäftsmodell liegen eindeutig auf klassischem E-Commerce, dem Verkauf von Markenmode, Spielzeug, Lätzchen, Rasseln und haufenweise anderen Produkten, die Babys und Kleinkinder auch über Prenzlauer Berg hinaus brauchen könnten. Die Auswahl ist breit, die Seite übersichtlich – schließlich muss sich Tausendkind gegenüber den Shopgiganten behaupten, die ihr Angebot längst um ein wachsendes Babysegment erweitert haben.

PRO: Bummeln und Shoppen ohne das Kind am Jackenzipfel, das wieder ein angebliches Must-Have entdeckt hat

CONTRA: Anprobe und eventuelle Retour spart das nicht

Meine Spielzeugkiste

Noch besser als Gutes kaufen ist Gutes mieten: „Meine Spielzeugkiste“ macht aus der Not, dass Kinder ihrem Spielzeug so schnell wie ihren Klamotten entwachsen, eine Tugend und verleiht Spielzeug gegen eine monatliche Gebühr ab 14 Euro. Das Prinzip: Gewünschten Lernschwerpunkt des Kindes auswählen, vorgeschlagene Spielzeuge auswählen, Kiste bestellen, zwei Monate später zurückschicken und eine neue bekommen. Die Sharing-Produkte sind entsprechend gebraucht, aber gereinigt und versichert, und aktuell für Kinder zwischen ein bis vier Jahren zu haben. Sachen vom Trödel sind sicher günstiger, doch wem die Zeit für den Flohmarktbummel fehlt, der ist hier richtig.

PRO: mehr Platz im Kinderzimmer, Keller und Dachboden

CONTRA:  für Geschwister-Nachzügler hat das Erstgeborene kein Erbstück mehr

Wummelkiste

Ähnliches Konzept wie „Meine Spielzeugkiste“, anderer Schwerpunkt: In der „Wummelkiste“ finden Eltern für Kinder zwischen drei und sieben Jahren einmal pro Monat Bastelutensilien für den Heimgebrauch. Die Themenideen wechseln je nach Jahreszeit und Förderwunsch. In der Beispielkiste „Licht/Schatten“ etwa befinden sich ein Schattentheater, ein Glühwürmchen-Glas und eine Eulenmaske zum Selbermachen; Sinne, Sprache, Denken und Motorik sollen spielerisch trainiert werden. Ganz günstig ist auch das nicht, der „kleine Wummel“ – drei Monate lang jeweils eine Kiste monatlich mit wechselnder Thematik – kostet 59,95.

PRO: Das Kochhaus-Prinzip: Endlich alle Zutaten in einer Kiste!

CONTRA: Das Finden eigener Bastelideen und -materialien fördert kreatives Denken vermutlich mehr als fertige Sets

petiteBox

Was die Wundertüte für die Kleinen ist, soll die petiteBox für die Großen sein: Statt sich die immer gleichen Gedanken über Geschenkideen für Schwangere und frischgebackene Mütter zu machen, können Gratulanten für die zu Beschenkende eine monatliche Verwöhnbox in drei möglichen Preisklassen (20 Euro, 60 Euro, 120 Euro) abonnieren. Darin stecken dann dem Schwangerschafts-Monat oder dem Alter des Babys entsprechende ausgewählte Markenprodukte und Tipps von Hebammen. Dahinter stehen übrigens die Macher der GLOSSYBOX, die damit das gleiche Prinzip schon auf die sich gerne schminkende Fashionista und pflegebewusste Männer angewandt hatten. Laut den petiteBox-Machern liegt der Paketpreis unter der Summe der Einzelproduktpreise.

PRO: Produkte entdecken, die man selbst vielleicht nie endeckt hätte

CONTRA: Produkte entdecken, die man selbst vielleicht nie entdecken wollte

(erschienen in: zitty, Mai 2012)

Wissenschaft im Teufelskreis

Wenn der Steuerzahler zweimal zahlt: Wollen Berliner Universitätsbibliotheken mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsergebnisse bereitstellen, müssen sie die Publikationen von Fachverlagen zurückkaufen – mit öffentlichen Geldern. Open Access könnte eine Lösung des Problems sein. (mehr …)

Ein Marktplatz für Musikbooking

Aus der zitty-Serie “Berliner Internet-Start-ups”: Wie gigmit Künstler, Clubs und Veranstalter an einen virtuellen Booking-Tisch bringen will

Die Begrüßung beginnt mit einer Beleidigung. „Fuck Off Bookingstress“ steht auf den Kärtchen, die Marcus Rüssel mit seinen Visitenkarten verteilt. Rüssel ist Gründer und Geschäftsführer von gigmit, einem Start-up, das „Booking Delight“ für Veranstalter und Clubs verspricht. Und die Ansage ist eine klare, die auch die Motivation hinter gigmit auf den Punkt bringt: Wenn der Livemarkt der einzige ist, an dem Musiker heute noch mitverdienen, dann müssen die Buchungsmechanismen für alle Beteiligten einfacher funktionieren als bisher.

gigmit
Könnten den guten alten Bookingagenten am Ende doch überflüssig machen: Marcus Rüssel (3. v. r.) und das Team von gigmit

Die Idee zu gigmit hatte Rüssel erst letzten Sommer. Als Booker, Künstlerberater (u.a. Clueso), Konzert- und Partyveranstalter arbeitete der 27-jährige Dresdner neben seinem Kulturmanagement-Studium schon länger, aber als ihn Freunde baten, ihnen für ein Festival in Thüringen innerhalb von einem Tag Ersatz für einen abgesprungenen Headliner zu organisieren, stieß er bald an seine Grenzen. 125 Leute habe er angerufen, schließlich eine passende Band aufgetrieben, die Lust und Zeit hatte und ins Festivalbudget passte – und danach viele Gespräche geführt, wie man diesen Prozess nachhaltig optimieren könne und müsse. Gute und spielwillige Bands gibt es schließlich genug da draußen, suchende Veranstalter auch, man muss sie eben bloß an einen Tisch bringen.

Das vielversprechende Ergebnis heißt gigmit, versteht sich als transparenter Marktplatz für Musikbooking im Netz und geht im September mit seiner ersten Alpha-Version online. Es funktioniert im Grunde wie MySpace für Geschäftstreibende und hat von der Statik und Unübersichtlichkeit von Konkurrenten wie Sonicbids.com gelernt: Bands legen standardisierte Profilseiten an, die ihre anderen Social Media-Auftritte in einem geschützten Bereich aggregieren und auf denen sie außer Fotos, Musikrichtung und Hörproben zum Beispiel angeben, zu welcher ungefähren Gage sie wo, wann und unter welchen Voraussetzungen auftreten. Veranstalter, etwa von einem Festival, finden Vorschläge und Suchergebnisse, und für jeden zustande gekommenen Vertrag verdient gigmit acht Prozent Vermittlungsprovision und kümmert sich fortlaufend um Hosting und Verwaltung von Verträgen, EPKs, Rechnungen, technischen „Ridern“ und allem anderen Papierkram. „Wir übernehmen Management-Prozesse, an denen ohnehin nie einer Spaß hatte“, erklärt Rüssel und betont, dass man den Booking-Agenten und dessen Feinarbeit nicht ersetzen wolle: „Kleine Bands sparen durch uns lediglich Mitarbeiter, die sie eh nicht haben.“

In einem Friedrichshainer Hinterhof an der Warschauer Straße arbeiten derzeit eine Handvoll Mitarbeiter und ein paar freie Programmierer an gigmit und befinden sich dort in bester Gesellschaft: Nebenan befindet sich die noisy Musicworld, in deren Proberaum- und Studiokomplex im September auch die Konferenz all2gethernow im Rahmen der Berlin Music Week stattfinden wird. Ein paar Meter weiter, in der Capitol Yard Golf Lounge an der Stralauer Allee, wird auch Marcus Rüssel sprechen. Sein Thema: „Booking und Management von morgen – Wie das Netz die Livemusik verändert“.

(erschienen in: zitty 18/2012, 23. August 2012, Seite 70)

Weit weg von jeder Homepage

Aus der zitty-Serie “Berliner Internet-Start-ups”: Wie FarFromHomePage das Webbrowsing von seinen festgefahrenen Strukturen erlösen will

Farfromhomepage
Im Philosophiestudium an der FU lernten sie sich kennen, jetzt wollen sie das Internet revolutionieren: FarFromHomePage-Gründer Manuel Scheidegger und Janosch Asen

Der Name ihres Start-ups deutet es schon an: Mit gewöhnlichen Homepages wollen Manuel Scheidegger und Janosch Asen nichts zu tun haben. Feste Strukturen, die immer gleiche Navigation, Serverkosten und viel Speicherplatz – all das wollen sie mit FarFromHomePage über Bord werfen.

Ihr Tool, das die beiden Firmengründer gerne als iMovie für das ganze Web beschreiben, soll ein Hub werden, das sich aus all dem bedient, was das weite bunte Internet zu bieten hat: Ein YouTube-Video hier, ein Soundcloud-Snippet da, eine Bilderfolge dort, eine Facebook-Wall in dieser Ecke, und so weiter. Der Privatuser soll sich so etwa sein eigenes virtuelles Wohnzimmer einrichten, in dem jeder seiner Freunde und Bekannten vorbeikommen und jeden Tag was anderes erleben kann; Unternehmen können ihr Portfolio, ihre Leistungen oder ihre Ambitionen interaktiv präsentieren. Ein Museum kann zum Beispiel zu einem virtuellen Streifzug laden, den es in der Realität so nie geben würde – auf einer Homepage, die keine ist.

Weil die Dateien alle irgendwo öffentlich im Netz rumliegen, hostet FarFromHomePage nichts selbst. Und genau darin stecken Chance und rechtliche Crux gleichermaßen: Wie beim US-Bilderdienst Pinterest machen sich dort User für ihre Zwecke Daten zu eigen, an denen sie die Rechte streng genommen nicht besitzen. Noch ist das eine Grauzone, eben weil FarFromHomePage ja nichts klaut oder klauen lässt, sondern bloß verlinkt – das YouTube-Video etwa liegt weiterhin auf den Google-Servern. Es müsse juristisch geklärt werden, ob ein neues Werk vorliegt oder nicht, sagte CTO Asen schon im Frühjahr dieses Jahres, ein paar Monate, nach dem er und CEO Scheidegger Ende 2011 die ersten Gehversuche ihres Projektes online stellten und Investoren und Business Angels suchten, die so wie sie an die Idee des „Creative Browsing“ glaubten, um das Internet endlich von seiner Geradlinigkeit zu befreien.

Schwierig werden könnte die rechtliche Gemengelage auch beziehungsweise erst recht, wenn die beiden Firmengründer mit diesen Inhalten Geld verdienen wollen, etwa durch Werbung oder Premiumpakete. Aber wenn es durch diese Probleme nicht zu Fall gebracht wird, könnte FarFromHomePage vieles gleichzeitig werden: ein asynchroner Aggregator für Surfentdeckungen, ein Aufbereiter von Inhalten, ein Tool des neuen Erzählens im Netz.

Farfromhomepage.net

(erschienen in: zitty, 20/2012, 20. September, S. 70)