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Was von der Insel bleibt

25. August 2010 | Von |

Achtung, Spoiler!

Es waren nicht die verschwendetesten Stunden meines Lebens. Es hätte schlimmer kommen können, und alles auch ganz anders. Sechs Staffeln “Lost”, 121 Folgen, jeweils rund 42 Minuten lang, macht 5082 Minuten oder 84,7 Stunden Rätselraten und kein Ende. Anfangs wollte ich verstehen, was den Hype um diese Serie ausmachte. Ich wurde bald unterhalten und verwirrt. Und habe alles gesehen: Rauch, der Menschen zerfleischt. Eisbären auf einer Pazifikinsel. Tote, die auferstehen. Rollstuhlfahrer laufen. Kinder mit mysteriösen Fähigkeiten. Männer nicht altern. Schwangere Frauen ihre Ungeborenen verlieren. Verfluchte Lottozahlen. Heroin in Maria-Statuen. Zeitreisen wie springende Schallplatten. Bibelreferenzen und Religionssymbolik. Elektromagnetismus, Licht und Dunkel. Und bekam selbst eine Ahnung davon, wie weit die immer fantastischere Geschichte aus Geschichten von Gestrandeten ein Spiegelbild der Gesellschaft seines Publikums, oder, noch größer, der Menschheit ist und sein soll: Es gibt keine eindeutigen Antworten. Was natürlich sehr schade ist, weil ich doch, wie ein paar Millionen anderer Zuschauer, noch die ein oder andere kleine Frage hätte. Zum Beispiel:

Ist die Menschheit gut oder böse? Herrscht in ihrem Grundzustand Krieg oder Frieden? Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Warum sind wir hier? Glaube oder Wissenschaft? Ist das überhaupt ein Widerspruch? Gibt es einen Gott? Und wenn ja, sollen wir ihm folgen?

Von Hirten und Jüngern, von Anfang und Ende: TV-Hype "Lost" und seine Charaktere. Amen.

Kann, was einmal geschehen, nicht mehr verändert werden? Würde ich den Lauf der Zeit ändern, wenn ich es denn könnte? Regiert Schicksal oder Zufall? Gibt es einen freien Willen? Haben oder Sein? Ist Macht der Ursprung allen Übels? Gibt es eine objektive Realität? Sterben wir alle allein? Sind wir in Wahrheit längst tot? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und was ist mit Wiedergeburt? Bekommt jeder eine zweite Chance? Bleibt die Erinnerung? Kann, was einmal gedacht und erlebt, nicht mehr zurückgenommen werden? Gibt es Himmel und Hölle und einen gemeinsamen Vorort? Hat das Böse keinen Namen? Ist Liebe alles was wir brauchen? Ist (die Darstellung von) Zeitreisen ohne Paradoxon möglich (bei “Zurück in die Zukunft”, “Day Of The Tentacle” oder “Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit” war das alles ein bisschen einfacher)? Sind die “Lost”-Produzenten Damon Lindelof, Carlton Cuse und J.J. Abrams und ihr Team Genies oder auch nur Blender?

Solche Sachen.


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2 Kommentare
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  1. [...] Wahl getroffen zu haben. Einen anderen Anstoß gab uns der Produzent der so erfolgreichen TV-Serie „Lost“, J.J. Abrams. Für das Wired Magazine schrieb er ein Essay über die Wichtigkeit von Mysterie und [...]

  2. [...] nach einer Liste der 20 besten Alben schreit. Wenn ich einen guten oder schlechten Film, das Ende von “Lost” oder, wie neulich, zum ersten Mal in meinem 32-jährigen Leben “Star Wars” gesehen [...]

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