zur Artikelübersicht

Facebook, das asoziale Netzwerk

21. April 2016 | Von |

Trolle, Hetze, braune Parolen: 2015 war das Jahr, in dem wir erkannten, dass unser aller Internet-Startseite Facebook sich leider ganz prima als Hatebook anbietet. Wie konnte es so weit kommen – und was machen wir jetzt?

Hatebook-992x476

Wachstum ist alles, was zählt für einen Giganten wie Facebook. Deshalb kaufte man die Fotoapp Instagram und den Messaging-Dienst Whatsapp. Doch heute, ein paar weitere Akquisitionen, Produkterweiterungen und Datenschutzdiskussionen später, steht Facebook vor einem neuen Problem: Besonders in Deutschland müsste der kalifornische Social-Media-Gigant ein paar seiner User am besten wieder loswerden, mindestens aber in ihre Grenzen weisen. Denn Facebook ist vom sozialen Netzwerk zum asozialen Netzwerk geworden.

„Man sagt sich über den Autor, er fresse Schwänze wie Nudelsalat“, kommentierte ein User auf der Facebook-Seite des Musikexpress um 2 Uhr morgens als Antwort auf eine gewöhnliche Plattenbesprechung, die nicht mal als Verriss durchging. Eine mögliche strafrechtliche Relevanz und die Homophobie in diesem Erguss mal außen vorgelassen: Der Absender hatte im Schutze seiner eigenen vier Wände schlicht vergessen, dass auch am anderen Ende der Leitung Menschen sitzen. „Sorry, war betrunken“, lautete seine lapidare Entschuldigung auf Nachfrage. Doch diese Kommunikation in Schieflage zieht sich auch bei gesellschaftlich bedeutsameren Themen als dem neuen Album von Tame Impala durch fast alle Facebook-Kommentarspalten – und vermutlich sind viele Trolle erschreckend nüchtern bei Eingabe ihrer Kommentare.

Spätestens seit Deutschland als Folge des Syrienkriegs in einer nie da gewesenen Flüchtlingsdebatte steckt, hat die Hetze nicht nur auf Montagsdemos, sondern auch auf Facebook in einem erschreckenden Ausmaß zugenommen: Unter Klarnamen überschreiten Menschen regelmäßig die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Nötigung, Volksverhetzung und Aufruf zum Mord. Über Verschwörungstheorien und -theoretiker kann man im besten Fall immerhin noch lachen. Über „besorgte Bürger“, die mit nichts als Angst und Hoffnung ankommende Flüchtlinge am liebsten zurück nach Ungarn, Griechenland, Syrien oder gleich „ins Gas“ schicken würden, nicht.

weiterlesen auf Musikexpress.de…

(erschienen im Musikexpress 1/2016, dem Jahresrückblicksspecial 2015)

 

Tags: , ,

Hinterlasse einen Kommentar

*