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Die Suche nach dem nächsten großen Ding

9. Januar 2013 | Von |

Facebook fängt an zu nerven. Doch es sind keine Alternativen in Sicht.

Social Networks

Facebook und andere Social Networks und Dienste auf dem Smartphone (Screenshot)

Alle suchen sie das nächste große Ding im Internet, aber es kommt einfach nicht. 2012 war das Jahr, in dem sich neben so etwas wie eine Netz-Ermüdung einstellte. Google + mangelt es an Akzeptanz und Partizipation, Microblogging-Dienst Twitter bleibt in Deutschland in der Nische, MySpace steht nur heimlich von den Toten wieder auf, die Nutzer der virtuellen Pinnwand Pinterest operieren im urheberrechtlich grauen Bereich. Immer neue Start-ups schießen aus dem Boden wie vor zehn Jahren Indiebands. Doch das Epizentrum des täglichen Online-Seins und somit das Social Network 2012 bleibt Facebook.

Allerdings wird die Luft dünner für das Unternehmen. Der Börsengang und anschließende Kurseinbruch der meistbesuchten Website der Welt sorgte für eine Ernüchterung unter Investoren. Der erste TV-Spot, den Facebook anlässlich des milliardsten Users im Herbst lancierte, ließ erahnen, dass das organische und virale Userwachstum an seine Grenzen kommt. Und schon der scheinbar wahnwitzige Kauf von Instagram (1 Milliarde Dollar für 13 Mitarbeiter und eine App ohne Geschäftsmodell) im April offenbarte, wo Mark Zuckerberg hin will und wo seine datensammelnde Gelddruckmaschine noch Lücken offenbart: ins Foto-Segment, zu Location Based Services, auf die Smartphones. Dort sind andere längst, mit etlichen Foto- und Videoapps oder Diensten, die nur deshalb „social“ sind, weil es eine Facebook-Anbindung gibt. Zu denen gehören auch Musikstreamingdienste wie Spotify.

Während Facebook sein Geld mit dem Handel der Daten seiner Kunden macht, müssen Streamingdienste Geld für die Künstler, die Labels und sich selbst einnehmen – sich also mühen um eine zeitgemäße Adaption analoger Strukturen ins Digitale. Ein Geschäftsmodell, das die klassische Musikindustrie sicherlich nicht retten wird. Und, nach gegenwärtigem Stand, leider auch nicht den Künstler. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die Musik der Zukunft nicht nur keiner Tonträger mehr bedarf, sondern dass sie irgendwann direkt vom Studio im Ohr des Hörers landet. Das funktioniert allerdings wiederum nur unter den Acts, die sich ihr Publikum bereits erspielt haben. Wie Lady Gaga, die mit „Little Monsters“ ihr eigenes Netzwerk aufgebaut hat – die Industrie will sie irgendwann hinter sich lassen.

Und Facebook? Hatte dieses Jahr mehr denn je mit seiner Akzeptanz zu kämpfen. Das gute Image aus den Anfangstagen ist dahin, die User und Seitenbetreiber beschweren sich zunehmend über die Undurchsichtigkeit darüber, was mit ihren Daten geschieht und wie sie selbst zum Werbeträger werden – Facebook nutzen wollen oder „müssen“ sie aber weiterhin. Es gilt mehr denn je das alte Mantra: Wenn du für einen Dienst nichts zahlst, bist du selbst die Ware. Und das schafft Bewusstsein und Bedarf für Neues. Vielleicht ja schon im nächsten Jahr.

(erschienen in: Musikexpress, Januar 2013, Seite 33)

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