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Die Pigalle Bar und der Mitte-Mogul

11. Februar 2011 | Von |

Nein, das hier ist kein Gentrifizierungsblog. Das sollen andere machen. Weil ich aber an dieser Stelle schon zweimal über die Pigalle Bar in meiner Straße in Neukölln berichtete, fühle ich mich ein bisschen in der Informationspflicht. Im letzten Sommer feierte die Pigalle Bar Neueröffnung. Felix Gerhardt, einer der 25 Mitbetreiber, kündigte schon damals, nach mehrmonatigem Umbau des jahrelang leerstehenden Ex-Puffs, an: “Die Bar muss laufen.” Nun, das tat sie nicht; im Dezember schloss sie wieder ihre Türen. Seitdem wurde da drin wieder fleißig und unter Ausschluss der passierenden Öffentlichkeit gewerkelt. Das jetzige Ergebnis macht anfangs glauben, der Kiez hätte tatsächlich seinen Amüsierbetrieb zurück: geschlossene Fenster und Vorhänge, eine Stahltür zum Vorderraum, zwei dunkelgekleidete Türsteher (siehe Foto). Hinter den nun schallgeschützten Mauern aber verbirgt sich eine neue Bar. Keine gewöhnliche Bar, versteht sich. Sondern eine, die Neukölln bislang in derart stylisher Form nicht hatte. Dunkelbraune Wände, Loungecouches, eine glanzpolierte Theke, ein DJ-Pult mit MacBooks und elektronischer Musik, ein Carlsberg für drei Euro, keine Chance auf Tageslicht. Allein das verspiegelte Bad ist geblieben.

Wie einladend: Dass die neue Pigalle Bar geöffnet hat, sieht man allein an den mißtrauischen Türstehern hinterm Guckloch. Wie zu Puff-Zeiten, vermutlich.

“Das soll hier ein Rückzugsort für die Neuköllner werden”, erklärt einer der Barkeeper das neue Konzept. Welche Neuköllner er damit meint, verrät er nicht. Man darf aber annehmen, dass es sich um jene Neuköllner der zugezogeneren Art handelt* und die ihnen folgenden Touristen. Schließlich ist der neue Betreiber der Pigalle Bar kein anderer als Marcus Trojan. Trojan ist 37 (und, Achtung: gebürtiger Schwabe), betreibt seit 2004 den Weekend-Club am Alexanderplatz und seit November des vergangenen Jahres das “Trust” in der Torstraße, eine “Kontakt-Bar”. Die Betreiber der Pigalle Bar, einst ein “Amüsierbetrieb mit Anbahnung”, hätten ihm die Übernahme angeboten, er habe angenommen, heißt es. Jetzt, nach der fast heimlichen Wiedereröffnung der Pigalle Bar – man kann ja von draussen außer des neuen Namenschildes mit dem alten Namen darauf nichts sehen oder hören! -, soll sie von Mittwoch bis Sonntag jeden Abend ab 20 Uhr geöffnet haben. Eine Homepage oder irgendeine Art von Werbung gibt es bisher nicht. Soll bestimmt ein Geheimtipp bleiben.

*Disclaimer: Ich selbst wohne auch erst seit Dezember 2009 in Neukölln


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Ein Kommentar
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  1. [...] gehe schwanger. Wenn unten im Nachbarhaus ein ehemaliger Puff in eine Bar umfunktioniert wird. Wenn ich in der U-Bahn einen Dialog von Schulschwänzern oder [...]

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