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Im Tal der nackten Männer

4. August 2010 | Von |

Neulich im Radio behauptete der Moderator, dass im Popjournalismus ja jedes Jahr ein neuer Bob Dylan ausgerufen würde. Erst musste ich an die NBA denken, die immer noch auf den nächsten Michael Jordan wartet. Dann an die argentinische Nationalmannschaft, deren Messi bis jetzt auch noch nicht einem (aktiven) Diego Maradona gleicht. Und dann hörte ich den Künstlernamen des Mannes, der die Dylan-Referenz provoziert hatte und dem es laut Moderator „an Selbstbewusstsein nicht mangeln kann“: Tallest Man On Earth. Hinter diesem Pseudonym steckt der schwedische Songwriter Kristian Mattson. Im Frühjahr hatte Mattson sein zweites Album „The Wild Hunt“ veröffentlicht. Kombiniert mit dem darauffolgenden Song, der da aus dem Radio kam und sich hörbar unwohl gefühlt haben muss, wurde mir schnell der doppelte Boden dieser Namenswahl bewusst: Da oben muss es ganz schön einsam sein. Und warum sollte ich mir Songwriter anhören, wenn sie nicht entweder von Einsamkeit, Melancholie und den üblichen Wirrungen des Lebens, von Dir und mir und der Liebe, von oben und unten, von der bösen Welt, von all diesem emotionalen Kram singen – oder die tollsten Geschichten der Welt erzählen? Eben.

Als kleine Empfehlung für das, was nach dem Sommer kommt, hier also eine kleine, unsortierte und je nach Maßstab jederzeit erweiterbare Auswahl meiner Lieblings-Songwriter der letzten Jahre, von denen ich nicht behaupte, sie seien die Nachfolger von Bob Dylan oder irgendwem. Sie sind plötzlich einfach da gewesen.

Justin Vernon (Bon Iver) – „For Emma“ (a-cappella mit Band im Treppenhaus):

Sufjan Stevens – „John Wayne Gacy Jr.“:

(vom letzten „richtigen“ Album „Illinoise“, 2005)

J. Tilman – „Jesse’s Not A Sleeper“:

(Fleet Foxes-Drummer, vom dritten Soloalbum „Minor Works“, 2006, leider nur mit plapperndem Publikum live zu finden)

Dallas Green (City And Colour) – „The Girl“:

(Alexisonfire-Sänger und -Gitarrist)

Damien Rice – „Rootless Tree“ (mit Lisa Hannigan, live):

Glen Hansard & Marketa Irglova (The Swell Season)- „When Your Mind’s Made Up“:

(vom „Once“-Soundtrack, live)

Pete Yorn – „Crystal Village“:
Pete_Yorn_Crystal_Village

Rocky Votolato – „Suicide Medicine“:

Ryan Adams – „My Winding Wheel“:

Elliott Smith – „Angeles“:

Ben Harper – „Amen Omen“:

(live im Hollywood Bowl, 2003)

Ben Folds – „Magic“:

Antony & The Johnsons – „Cripple & Starfish“:

Gisli – „Worries“:

(ohne Video, von seinem meines Wissens nach bislang einzigen, sechs Jahre alten Album „How About That“)

Nichts zu danken.


(Disclaimer: Der Titel dieses Eintrags ist übrigens auch der Titel einer Hommage des deutschen Liedermachers Tom Liwa an seine Heimatstadt Duisburg, in der ich auch drei Jahre gelebt habe)


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