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„Ich esse wirklich nur Müll auf Tour“: Auf einen Döner mit Sam Fender

17. September 2019 | Von |

Kebabträume! Der britische Indie-Rocker Sam Fender spricht über die schönste und bisweilen ekeligste Nebensache der Welt: Essen auf Reisen.

Sam Fender und ich am Schlesi. (Foto: Nikita Teryoshin)

Sam Fender und ich am Schlesi. (Foto: Nikita Teryoshin)

Austerclub Berlin, 29. November 2018, 0:30 Uhr. Sam Fender, Englands neue Indie-Rock-Hoffnung, hat gerade ein Konzert gespielt. In Neukölln würde der Songwriter mit Fila-Pulli, formloser Jeans und Topffrisur unter Normcore-Hipstern nicht weiter auffallen. Was ihm wiederum im Unterschied zu seiner Heimat auffällt: „In Newcastle prügeln sich die Leute in den ersten Reihen, hier sind alle sehr höflich und zurückhaltend“, berichtet Fender im Backstage-Kabuff. Dann fällt ihm noch ein Unterschied ein: „Eurem deutschen Döner fehlt diese geile Knoblauchsoße, in die bei uns das Fleisch gerührt wird, bevor alles ins Brot kommt!“ Es gibt also Redebedarf.

Ein paar Monate später, 14:30 Uhr, Imbissrestaurant „Bagdad“ am Schlesischen Tor, Berlin-Kreuzberg. Draußen krakeelen Dealer und Party-Touristen, drinnen riecht es nach Grill und Fritteuse. „Chicken, garlic and chili, please!“ Sam Fender ist wieder in Berlin unterwegs. Bei Radio Fritz war der 24-Jährige schon, gleich fährt er weiter zu ZDF-„aspekte“. Dazwischen geht er mit uns einen Döner essen. Im September erscheint Sam Fenders Debütalbum HYPERSONIC MISSILES.

Wie schmeckt dein Döner, Sam?

Sam Fender (mit vollem Mund): Der ist wirklich gut!

Was ist der Unterschied zum dir bekannten Kebab?

Zu Hause in England gibt es meist Lamm-Kebab. Außerdem sind sie definitiv dreckiger und ekeliger als der hier, jedes Mal droht eine Lebensmittelvergiftung. Deshalb isst auch jeder gemeinhin nur um 3 Uhr morgens Döner.

Gut, betrunken schmeckt alles besser. Als wir uns im Austerclub trafen, redetest du von einer bestimmten Knoblauchsoße, die hier in Deutschland fehle. Vermisst du sie immer noch?

Ich glaube, in diesem Döner hier ist sie drin. Ich habe Knoblauchsoße und Chili bestellt und auch bekommen. Auch das Brot ist exakt so, wie es sein sollte. Schmeckt wirklich hervorragend.

Wie ärgerlich: Hättet ihr in Newcastle eine Soße, die es hier nicht gibt, hättest du ein Start-up gründen können.

Nicht jeder Döner, den ich bisher in Deutschland aß, hatte Knoblauchsoße. Stattdessen manchmal so was wie Minze. Was vermutlich traditioneller ist.

Der traditionelle Kebab wird sogar ohne Brot serviert. Fleisch auf dem Teller, dazu Reis.

Turnt mich nicht an. Ich liebe es im Brot. In diesem Brot. Dieses Brot ist awesome!

Wann hattest du deinen letzten Döner?

Das muss vergangenes Jahr gewesen sein. Ich habe seitdem versucht, mich gesünder zu ernähren. Kohlenhydrate auslassen, mageres Fleisch, Gemüse und Nüsse essen. Ich ging sogar joggen und trainierte ein wenig.

Wie lange ging das gut?

Vielleicht zwei Monate. Dann ging ich wieder auf Tour und begann wieder Schrott zu essen. Auch Sport fiel wieder aus. Dafür bleibt einfach keine Zeit.

Gibt es nicht auch gutes Fastfood?

Ich esse wirklich nur Müll auf Tour. In Amerika gab es andauernd Hamburger und Pizza. Aber ich liebe Fastfood.

Du warst zuletzt auch in den Niederlanden unterwegs. Da ist das Fast-Food-Angebot ja noch perverser und frittierter: Pommes mit dicker Mayo, Frikandeln …

Und diese frittierten länglichen Bällchen, wie heißen die doch gleich?

Kroketten.

Stimmt, hätten wir kennen können, gibt es in Kartoffelform auch in England. In den Niederlanden sind Kroketten aber essenzieller Bestandteil des kulinarischen Angebots. Da ist Fleisch drin und so eine cremige Soße. Irre.

Was trinkt man zu einem Döner am besten? Cola? Ayran? Ein letztes Bier?

Ich steh auf Fizzy Popper. Soft Drinks mit Zucker und Kohlensäure halt. In Amerika gab es nur so ein Zeug.

Würde ich jemals Newcastle besuchen, welche Imbissbude würdest du mir empfehlen?

Yeah, ich würde „Spice of Punjab“ empfehlen!

Indisch?

Niemand weiß, was es wirklich ist. Es gibt Chicken Parmesan, eine Art Schnitzel mit Lasagnesoße und Käse und Chili on top. Dann haben sie so eine Art Döner Kebab, aber in Naan-Broten!

Klingt wie ein Kulturclash.

Es ist der Wahnsinn. Und der Laden hat eine Null-Sterne-Hygiene-Bewertung, da fällt schon mal Rattenkacke aufs Essen. Ich gehe trotzdem gerne hin.

Würdest du deinen Geburtstag zu Hause feiern und Freunde einladen, was würdest du kochen?

Ich würde gar nichts kochen, ist doch mein Geburtstag. Ich würde einen Shitload of Pizza bestellen. Ich bin großer Fan von Pizza und Bier, ich liebe doppelte Kohlenhydrate.

Was ist deine Lieblingspizza?

Ich gehöre zu denen, die Pizza Hawaii lieben. Viele Leute hassen sie. Ich nicht. Mein Manager Owen und viele Freunde auch nicht. „Igitt, Ananas mit Schinken“, sagen einige, ich antworte: „Dude, jeder mag Früchte und jeder mag Käse!“

Dein Lieblingsbier?

Das Bier in Deutschland ist viel besser als bei uns. Ich mag deutsches Pils. Unser Bier schmeckt scheiße. Es gibt zwar ein paar gute britische Ales, aber die mag ich auch nicht wirklich.

Was würdest du dir backstage wünschen?

Gemüse, weil du das sonst nie auf Tour bekommst, immer nur Scheiße an den Tankstellen isst und dich krank fühlst.

Letzte Frage: Das typischste britische Fast Food ist doch Fish & Chips. Gibt es Fisch-Döner in England?

Nein, nur Fish-Tacos.

Ihr solltet ein Geschäft daraus machen, ich sehe da eine Marktlücke für Betrunkene.

Indisches Curry ist aber der wahre englische Klassiker. Das gibt es wirklich überall.

Sam Fender macht sich seit rund zwei Jahren einen Namen: Anfang 2018 
landete der Songwriter und Indie-Rock- Musiker aus der Nähe von Newcastle 
auf der vielbeachteten „Sound of 2018“- Liste der BBC. Seine Single „Play God“ schaffte es auf den Soundtrack des Videospiels „FIFA 19“. Anfang 2019 gewann der 24-Jährige den Kritikerpreis der BRIT Awards. Bisher veröffentlichte er neun Singles, auf denen Fender sich zwischen Bruce Springsteen und Nothing But Thieves bewegt – fünf davon werden auch auf seinem Albumdebüt HYPERSONIC MISSILES zu hören sein, das am 13. September erschienen ist.

Guten! Sam Fender isst Döner – und redet mit mir darüber. Auszug aus dem Musikexpress 08/2019.

Guten! Sam Fender isst Döner – und redet mit mir darüber. Auszug aus dem Musikexpress 08/2019.

Dieses Interview erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 08/2019. Worüber ich neben Fast Food noch mit Sam Fender sprach (zum Beispiel über Musik), ist in diesem Teil des Interviews nachzulesen.

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