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Listenwahn 2012: Die Serien des Jahres

12. September 2013 | Von |

Ach. Da war ja noch was. Ein Blog. Postings. Listen. Serien. Freizeit. Vollständigkeitszwang. Nach 2010 und 2011 deshalb jetzt form- und schmerzlos ohne Trailer, Bilder und Texte: die für mich besten, weil letztes Jahr unter anderem gesehenen, Serien 2012. 2013 ist ja auch schon bald Geschichte.

The Sopranos

1. „The Walking Dead“

Die erste Staffel war bloß konventioneller Zombiekram. Spannend und sehr sehr deprimierend wird die Comicverfilmung erst, wenn die Zombies nur noch als Statisten im viel gefährlicheren Kampf zwischen den Überlebenden selbst auflauern.

2. „Breaking Bad“

Der einst krebskranke Chemielehrer Walter White hat die Grenze zwischen Gut und Böse längst weit überschritten und steckt im ersten Teil der finalen Staffel 5 bis zur Stirn in all dem Stress, den ein Doppelleben als Familienvater und berüchtigster Meth-Baron New Mexicos so mit sich bringt. Und dann ist da auch Schwager Hank auf dem Klo…

3. „Homeland“

Claire Danes als labile CIA-Agentin, die einen Kriegsveteran des Terrors bezichtigt und das darin ständige Spiel mit den Erwartungen und Vorurteilen des Zuschauers: „Homeland“ ist trotz einiger Schwächen in Staffel 2 immer noch die subtilere und deshalb bessere Version von „24“.

4. „Dexter“

Schon nach Staffel 4 zeichnete sich wohl ab, dass die Serie um Serienmörder-Mörder und Forensiker Dexter Morgan bald blasser werden könnte als die Opfer des Ice-Truck-Killers. Bis zum Ende des Falls um den Doomsday-Killer und einem, nun ja, einschneidenden Treffen zwischen Dexter und seiner Schwester und Miami-Police-Kollegin Debra darf man aber noch gespannt genug bleiben. Staffel 7 und 8 hingegen – soviel weiß ich jetzt, im September 2013, hätten lieber schweigen sollen.

5. „Game Of Thrones“

Eine Seifenoper im Mittelalter, in der sich keiner gewaschen hat: Die HBO-Verfilmung von George R.R. Martins Fantasy-Romanepos strotzt nur so vor Blut und Gier und Neid und Sex und Krieg und Fehden. Oh, und Drachen gibt es auch.

6. „Der Tatortreinger“

Bjarne Mädel als bauernschlauer Tatortreiniger von der „SpuBe“ (Spurenbeseitigung). Wenige Folgen, viel Herz für ihre Figuren, und bei aller Komik – in jeder Folge trifft Schotti bei seiner Arbeit auf Angehörige, Täter, Gäste oder sonst wie mit den Opfern in Verbindung stehenden Menschen – immer auch die ein oder andere Lebensweisheit parat, die mit Plattitüden so wenig zu tun hat wie Bernd Strombergs (neben dem Mädel zuvor die Rolle des depperten Ernie spielte) Sprüche mit Inhalten.

7. „Sherlock“

Shooting Star Benedict Cumberbatch als moderner Sherlock der Neuzeit, neben ihm Martin Freeman als Dr. Watson. Die Dialoge, die Charaktere, die Fälle, die Gegenspieler, der Humor: so temporeich, geistesgegenwärtig, trocken und auf Zack wie Sherlock Holmes eh und je. Britischer als in dieser BBC-Miniserie gehts indes ebenfalls kaum noch.

8. „The Big Bang Theory“

Please don’t try this auf Deutsch. Pro7 strahlt diese Sitcom immer wieder aus, selten hatte ich etwas Unlustigeres im Fernsehen gesehen. Im Original funktionieren die Zoten um Dr. Sheldon Cooper und seine Nerd-WG nach gewisser Eingewöhnung aber durchaus. Zumal ich Physiker-Witze auch in meiner Muttersprache nicht verstehe.

9. „The Wire“

Von Kritikern und etlichen Fans maßlos gelobte Krimiserie über Polizei und Verbrechen in Baltimore, in der es weniger um die Auflösung bestimmter Fälle geht, sondern um die Dokumentation einer einzigen, großen, korrupten, hamsterradartigen Szenerie über mehrere, bisweilen mühsam anzusehende Staffeln. Don’t try this auf englisch, man versteht vom Straßenslang kaum ein Wort.

10. „Touch“

Kiefer Sutherland als nach 9/11 alleinerziehender Vater eines wohl autistischen Kindes, das dafür übernatürliche Fähigkeiten zu haben scheint und „Butterfly Effect“-mäßig die Schicksale von Menschen auf der ganzen Welt zum Guten zu verbinden weiß. Schön und schlau und rund erzählt, es fehlt aber jeder Cliffhanger und ein unbedingter „Mehr davon“-Effekt.

Abgesehen von seinem Set war ich von der zweiten Staffel von „Boardwalk Empire“ leider nicht mehr allzu beeindruckt – wenngleich Michael Shannon ziemlich groß- und bösartig spielt darin und Steve Buscemi eigentlich immer geht. Meine Frau guckte 2012 weiterhin liebend gerne „Downton Abbey“, ich hingegen habe es auch mal mit JJ Abrams‘ „Revolution“ versucht: naheliegende Grundidee (unserer Welt plötzlich und langfristig ohne Strom), schrecklich langweilige Hochglanz-Umsetzung. Wie „Lost“ mit Soap-Darstellern.

Lobende Erwähnung hingegen für zwei outstanding tv dramas:

„The Sopranos“

Ein getriebener Mann, zwei Familien. Tony Soprano zwischen Mafia und Dr. Melfi. Und James Gandolfini in der Rolle seines Lebens. Es wurde seine letzte große.

„Six Feet Under“

Michael C. Hall war schon vor „Dexter“ in Leichenhallen zu sehen – hier als Erbe des Bestattungsunternehmens seines Vaters. Und wie das zwischen Leben und Tod so ist, erzählt auch „Six Feet Under“ nahbar, komisch und dramatisch von der Hin- und Hergerissenheit zwischen den Erwartungen anderer zu funktionieren und dem Ausbruch daraus – exemplarisch an dem Schicksal jedes Mitglieds der Familie Fisher.

Das waren auch die beiden Serien, die mich 2012 mit Abstand am meisten begeistert und gebannt haben. Weil ich sie erst dieses Jahr sah: „Sopranos“ lief von 1999-2007, „Six Feet Under“ von 2003-2008.

Oh, war jetzt doch mit Texten.

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Ein Kommentar
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  1. […] drei Monate dafür brauchte – immerhin aber über meine Lieblingsalben 2012 noch meine Lieblingsserien sowie -filme zusammenstellte. Später […]

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