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Miss Media

18. Juni 2010 | Von |

„Sind Sie stark, smart und sexy? Dann werden Sie Miss Media!“

Ich bin kein Frauenrechtler. Lange habe ich auch in meiner Branche (kein Fußball) blauäugig daran geglaubt, dass sich die oder der Bessere durchsetzen würde. Viele arg emanzipatorische Gleichberechtigungsversuche fand und finde ich peinlich und übertrieben. Ich will nicht, dass ein Baum auch eine Bäumin an seiner Seite haben muss. Das erinnert mich an diese Gender-Diskussion bei der re:publica 2010, auf denen Frauen ihr eigenes Internet gefordert haben, weil die männerdominierte Blogosphäre es ihnen ja so schwer mache, und die ich glücklicherweise nur am Rande mitbekommen hatte. Ich bin aber eben auch kein Männerrechtler.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich weiß, dass es leider immer noch notwendig ist, auf Mißstände aufmerksam zu machen, einfach weil sie existieren. Es ist eben immer eine Frage der Art und Weise des Herangehens, ob man diese Missstände (allein das Wort schon!) wegräumt oder schürt. Und das, was sich das Branchenblatt „Werben Und Verkaufen“ (W&V) da zusammen mit der Fotowerbestrecke dem Frauenblatt „Cosmopolitan“ ausgedacht hat, können Sie unmöglich so gewollt haben, liebe Gleichstellungsbeauftragte:

(hier nachzulesen)

Was ist da bloß passiert? „Sind Sie stark, smart und sexy? Dann sind Sie wie Cosmopolitan!“, fragt und behauptet Chefredakteurin Petra Winter allen Ernstes. Mal ganz abgesehen von der Frage, wer um alles in der Welt so sein will wie die Cosmopolitan: Behauptet Petra Winter da auf ihrer Couch und an der Seite ihrer Anzeigenleiterin Lisa Habermeyer etwa tatsächlich, dass man frau sexy sein muss, um es im Job zu etwas zu bringen? Man traut sich kaum, die Frage laut zu denken, die man an dieser Stelle zwingend fragen muss: „Wie haben Sie Ihren Job bekommen?“

Klischees sind dazu da, widerlegt bedient zu werden. So funktionieren weite Strecken der Medienlandschaft (nehme mich auch dort nicht raus). Die Zielgruppe Frauen boomt nach wie vor. Die Entscheider dahinter sind längst nicht alle weiblich. Aber wenn man sich diese, Verzeihung, peinliche, womöglich tatsächlich „gut gemeinte“ und in ihrer grundsätzlichen Absicht vielleicht notwendige Kampagne ansieht, läuft vorm inneren Auge direkt ein anderes Video ab. Eines, in dem ältere Herrschaften ihre Gleichstellungsbeauftragte entnervt aus dem Hinterzimmer schicken und laut vor sich her fabulieren: „Na gut Ihr kleinen Zuckermäuschen, dann tun wir auch mal was für Euch. Aber was medienwirksames. Soll ja keiner was sagen können.“

Bitte übernehmen Sie, Frau Schwarzer.

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3 Kommentare
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  1. Ich finde das in etwa so emanzipatorisch wie der neue Sex and the City-Film, über den ein Produzent unlängst im Interview sagte, der müsse als Film nicht überzeugen, so lange die beliebten Darstellerinnen in Designerklamotten zu sehen sind und „die Frauen“ sich das schön mit ihren Freundinnen angucken können.
    Genauso einen verächtlichen Manager-Heini (oder wahrscheinlich gleich ein ganzes Rudel) sehe ich hinter so einer Aktion.
    Kann man diesen Slogan „Blabla … sexy“ eigentlich noch Gebetsmühlen-artiger und hohler aufsagen? Es ist fast so, als wollen die Damen in ihrem Leeren Blick eine geheime Botschaft verstecken, sowas wie „Glaubt uns bloß kein Wort! Sonst sitz ihr als nächstes hier auf der Couch und der Marketingchef steht mit gezücktem Gewehr hinter der Kamera.“

    Ich mag auch keine Hardcore-Feministinnen wie sie die 70er geprägt haben. Worin ich mit eigentlich allen mir bekannten Frauen meiner Generation d’accord gehe.
    Aber wenn ich mir diese Kampagne angucke, frage ich mich ob das sich bewusst nicht rasieren und Wonderbra-verbrennen nicht doch notwendig sind. Allein schon, damit man die Leute erkennt, die’s ernst meinen und solche schmierigen Unterwanderungsversuche keine Chance haben.
    Furchtbare Vorstellung, aber so weit isses gekommen ;)

  2. Dass die 70er Jahre von Hardcore Feministinnen geprägt waren ist Unsinn und zeugt davon, dass es einem neoliberalen Geschlechterregime hervorragend gelungen ist, ein falsches Bild vom Feminismus in der Öffentlichkeit zu etablieren und damit feministische Ideen, die immer sehr vielfältig waren, zu untergraben. Ein sehr gutes Buch dazu hat Angela McRobbie dieses Jahr herausgebracht: Top Girls – Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes.

  3. Wirklich schlimm. Guter Kommentar. Nur eine Anmerkung: Ich bin Feministin, war auf der Re:publica und habe das Panel gesehen und niemand hat dort ein eigenes Internet gefordert. Was ja auch völliger Schwachsinn wäre. Ich kenne sehr viele Feministinnen und keine einzige ist dabei, die ein eigenes Internet haben möchte oder einen Baum als Bäumin bezeichnen will. Ausnahmslos: Keine. Solche Vorurteile wie du sie hast, haben leider viel zu viele. Und sie führen dazu, dass jemand der ein Kommentar für die Gleichberechtigung abgibt, sich vorher erstmal vom Feminismus distanzieren möchte, in dem er ihn lächerlich macht. Was schade ist. ;-) Aber egal. Wie gesagt: Gute Kommentar.

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