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Selig sind die Gläubigen

4. Februar 2019 | Von |

Warum Dschungelcamp-Teilnehmer und Blender ein Vorbild sein könnten, es aber nicht sein sollten. Ein Gesellschaftskommentar.

Alle drei irgendwie gläubig: Chris Töpperwien, Evelyn Burdecki und Bastian Yotta im „Dschungelcamp“ 2019 (Foto: RTL)

Alle drei irgendwie gläubig: Chris Töpperwien, Evelyn Burdecki und Bastian Yotta im „Dschungelcamp“ 2019 (Foto: RTL)

Wir alle versuchen inmitten der universellen Lächerlichkeit unseres Daseins einen Sinn zu finden, den es nicht gibt. Wir alle versagen, denn schon John Maynard Keynes wusste: Am Ende sind wir alle tot. Da die Befolgung des Rats vom großen Homer (Simpson) an seinen Sohn „Versuchen ist der erste Schritt zum versagen“ das Leben aber auch nicht lebenswerter macht, versuchen wir uns doch alle an irgendetwas. Und, so scheint es immer wieder, sind es mutmaßlich die gläubigeren Menschen, die die irdische Mühle gekonnt auszuhebelblenden wissen. Vorhang auf für Bastian Yotta.

Bastian Yotta heißt eigentlich Bastian Josef Gillmeier, ist 42 Jahre alt, lebt als „Lifestyle Coach“ in Los Angeles, ist mutmaßlicher Autor der „Yotta-Bibel“ und eigenen Angaben zufolge „Self-Made-Millionär“. Wie viel davon stimmt, wissen wohl nur Chris Töpperwien, das Finanzamt und RTL. Der Fernsehsender buchte Yotta nämlich als Kandidat für die 13. Staffel „Dschungelcamp“ und damit sein morgendliches Mantra „I am strong, healthy and full of energy!“. Am Ende gewann mit Evelyn Burdecki eine junge Frau, die Alpha-Männchen wie Yotta und der Currywurstmann ohne Kameras und Mikros sofort als „blondes Dummchen“ abtun würden – und damit jemand, der aus seiner Ahnungslosigkeit über unsere Welt keinen Hehl macht. Gläubig (sie an das Gute, er an sich selbst) und deshalb glücklich, muss man zumindest meinen.

Dann bröckelt Yottas „Respect & Feelgood“-Fassade: Seiner Freundin würde er gern mal wieder das „Hirn rausvögeln“ und Evelyn soll „die Klappe halten“. In den Instastories nach dem Auszug prahlte er: Einen Porno? Würde er drehen, aber nur mit „Maggie, die Noch-Frau vom Christian“, damit „die auch ma sieht was ma geiler Sex“ sei. Ernsthaft? Ist das der Ton des Vertrauens und der Zuversicht, den ein Lebensstilberater an den Tag legen sollte? Will man sich von so jemandem Respekt und Aufrichtigkeit beibringen lassen? Gar Selbstwertgefühl, was er anderen abspricht?

Der Verdacht liegt nahe, dass Yotta mit der Bezeichnung „Lifestyle Coach“ schlimmstenfalls ein paar armen Würstchen ihr letztes Geld aus der Tasche zieht, wie es ihm Kollegah 2018 in Deutschland mit seinem Bestseller „Das ist Alpha“ erfolgreich vor- und nachgemacht hat. Bestenfalls aber hat der Selbstgläubige immerhin einen Kunden zu einem sinnstiftenderen Leben verholfen: dem laut eigener Legende einst obdachlosen und suizidgefährdeten Bastian Josef Gillmeier. Und wenn man nur lange genug an eine Sache glaubt, wird sie schon stimmen.

Zumindest für einen selbst. 

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