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Kleine und große Geschäfte

Viele Onlineangebote versprechen Eltern nützlichen Service und Erleichterung des Alltags. Auch diese fünf Berliner Unternehmen setzen auf die Kaufkraft gestresster Mütter und Väter.

Kinderfee

Auf Kinderfee.de vermitteln Stefan Gärtner und Daan Löning deutschlandweit suchenden Eltern den passenden Aufpasser, geprüfte Betreuer oder Tagesväter- oder mütter für Ihr Kind und umgekehrt. Jobsuchende legen Ihr Profil inklusive Foto, Wohnort, Alter, Erfahrung, Sprache, Verfügbarkeit und gewünschtem Stundenlohn an, über ein Formular kann nach Anmeldung Kontakt aufgenommen werden. Das Unternehmen prüft die Plausibilität der Angaben anhand eingereichter Unterlagen, übernimmt aber keine Garantie. Nach erfolgreicher Vermittlung kassiert Kinderfee eine anteilige Provision. Allein in Berlin bieten aktuell rund 400 Babysitter ihre Dienste an. Ein Bewertungssystem über Sternevergabe soll zusätzlich für Transparenz und Entscheidungshilfe sorgen.

PRO: endlich Babysitter finden, ohne Freundeskreis und Familie nerven zu müssen

CONTRA: Vertrauen ist gut, Kennen ist besser

Tausendkind

Online-Shop, Ratgeber und Blog: Seit rund anderthalb Jahren will Tausendkind werdenden Eltern mit wertigen Produkten und Tipps den Alltag erleichtern und verschönern. Schwerpunkt und Geschäftsmodell liegen eindeutig auf klassischem E-Commerce, dem Verkauf von Markenmode, Spielzeug, Lätzchen, Rasseln und haufenweise anderen Produkten, die Babys und Kleinkinder auch über Prenzlauer Berg hinaus brauchen könnten. Die Auswahl ist breit, die Seite übersichtlich – schließlich muss sich Tausendkind gegenüber den Shopgiganten behaupten, die ihr Angebot längst um ein wachsendes Babysegment erweitert haben.

PRO: Bummeln und Shoppen ohne das Kind am Jackenzipfel, das wieder ein angebliches Must-Have entdeckt hat

CONTRA: Anprobe und eventuelle Retour spart das nicht

Meine Spielzeugkiste

Noch besser als Gutes kaufen ist Gutes mieten: „Meine Spielzeugkiste“ macht aus der Not, dass Kinder ihrem Spielzeug so schnell wie ihren Klamotten entwachsen, eine Tugend und verleiht Spielzeug gegen eine monatliche Gebühr ab 14 Euro. Das Prinzip: Gewünschten Lernschwerpunkt des Kindes auswählen, vorgeschlagene Spielzeuge auswählen, Kiste bestellen, zwei Monate später zurückschicken und eine neue bekommen. Die Sharing-Produkte sind entsprechend gebraucht, aber gereinigt und versichert, und aktuell für Kinder zwischen ein bis vier Jahren zu haben. Sachen vom Trödel sind sicher günstiger, doch wem die Zeit für den Flohmarktbummel fehlt, der ist hier richtig.

PRO: mehr Platz im Kinderzimmer, Keller und Dachboden

CONTRA:  für Geschwister-Nachzügler hat das Erstgeborene kein Erbstück mehr

Wummelkiste

Ähnliches Konzept wie „Meine Spielzeugkiste“, anderer Schwerpunkt: In der „Wummelkiste“ finden Eltern für Kinder zwischen drei und sieben Jahren einmal pro Monat Bastelutensilien für den Heimgebrauch. Die Themenideen wechseln je nach Jahreszeit und Förderwunsch. In der Beispielkiste „Licht/Schatten“ etwa befinden sich ein Schattentheater, ein Glühwürmchen-Glas und eine Eulenmaske zum Selbermachen; Sinne, Sprache, Denken und Motorik sollen spielerisch trainiert werden. Ganz günstig ist auch das nicht, der „kleine Wummel“ – drei Monate lang jeweils eine Kiste monatlich mit wechselnder Thematik – kostet 59,95.

PRO: Das Kochhaus-Prinzip: Endlich alle Zutaten in einer Kiste!

CONTRA: Das Finden eigener Bastelideen und -materialien fördert kreatives Denken vermutlich mehr als fertige Sets

petiteBox

Was die Wundertüte für die Kleinen ist, soll die petiteBox für die Großen sein: Statt sich die immer gleichen Gedanken über Geschenkideen für Schwangere und frischgebackene Mütter zu machen, können Gratulanten für die zu Beschenkende eine monatliche Verwöhnbox in drei möglichen Preisklassen (20 Euro, 60 Euro, 120 Euro) abonnieren. Darin stecken dann dem Schwangerschafts-Monat oder dem Alter des Babys entsprechende ausgewählte Markenprodukte und Tipps von Hebammen. Dahinter stehen übrigens die Macher der GLOSSYBOX, die damit das gleiche Prinzip schon auf die sich gerne schminkende Fashionista und pflegebewusste Männer angewandt hatten. Laut den petiteBox-Machern liegt der Paketpreis unter der Summe der Einzelproduktpreise.

PRO: Produkte entdecken, die man selbst vielleicht nie endeckt hätte

CONTRA: Produkte entdecken, die man selbst vielleicht nie entdecken wollte

(erschienen in: zitty, Mai 2012)

Raus mit Euch!

Vereinssport, Freizeitspaß oder beides? Gerade in der Großstadt gibt es für jedes Kind die passende Sportart. Man muss sie nur finden

Bosse schnauft. Bis vor einer Minute ist der Sechsjährige noch über den Kunstrasenplatz an der Storkower Straße gerannt, in gestreiftem Trikot und zusammen mit rund 20 anderen Kindern. Jetzt hockt er am Spielfeldrand, stützt die Hände auf die Knie und jammert: „Ich melde mich ab, Mama. Ich hab keine Lust, nach dem Training immer zu duschen!“ Richtig ernst gemeint hat Bosse das nicht. Er trainiert schon seit zwei Jahren beim FC Berlin 23 in Lichtenberg. Zweimal pro Woche, Sonnabend ist Spieltag. Der Grund: Fußball macht Bosse einfach Spaß.

Eine sportliche Frühförderung außerhalb der begrenzten Schulsport-Angebote ist eine Bereicherung für Kinder jeden Alters. In der Bewegung finden sie einen Ausgleich zum Druck in der Schule, im Spiel- und Mannschaftssport lernen sie andere soziale Gefüge kennen als zuhause. Es muss nicht gleich ein Verein sein. Aber es sollten die Zugänge zu öffentlichen Plätzen wie Bolzplatz, Schwimmbad oder Streetcourt verschafft werden. Davon hat Berlin genug, nur nehmen sich weder die Schulen noch Vereine immer die Zeit für die Erprobung unbekannter Terrains.

Holger Zimmerman ist Bosses Trainer. 2005 gründete er den Kinderverein, weil er keine Lust mehr auf die andernorts übliche Vereinsmeierei hatte. „Es gibt viele Fußballclubs, wo die Väter trainieren, die anderen Eltern herumschreien und man mit Hierarchie vom Kassenwart bis zum Jugendbereichsleiter klarkommen muss“, sagt er und pfeift seine Jungs zur Abschluss-Dribbelrunde. „Mein Sohn hat selbst bei so einem Club gespielt, schrecklich war das. Erst wurde auch ich Trainer. Dann dachte ich: Das kann ich selbst besser machen.“

Fußballvereine gibt es in jedem Viertel. Der FC Berlin 23 aber ist besonders. Erstens stehen hier für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren Spaß, Freude und Bewegung anstelle eines Wettkampfs im Mittelpunkt. Zweitens bietet Zimmermann berufstätigen Eltern und Gruppen für fünf Euro zusätzlich zum Monatsbeitrag von 20 Euro einen Shuttle-Service. Der holt die Nachwuchs-Fußballer von ihren Schulen und Kitas ab und bringt sie anschließend dorthin zurück oder nach Hause.

Bosses Hausaufgaben leiden nicht unter seinem Hobby, sagt der Erstklässler. Bei den Jungs des U14-Basketball-Teams vom DBV Charlottenburg sieht das schon anders aus: „Wir trainieren bis zu neun Mal pro Woche“, sagt Aufbauspieler Tarek stolz – mit 1,75 Meter ist der Dreizehnjährige einer der kleineren Spieler seiner Mannschaft. In der Endrunde der Norddeutschen Meisterschaften schlugen sie heute Morgen den Lokalrivalen Alba Berlin, zum ersten Mal in der Saison. Die Kids beider Teams gehören zu den besten ihrer Altersklasse; einige spielen Basketball, seit sie sieben Jahre alt sind. „Für alle Ballsportarten gilt: Das A und O ist eine sportliche Grundausbildung. Die Spezialisierung erfolgt später“, erklärt der ehemalige Basketball-Nationalspieler Henning Harnisch und warnt davor, sich zu früh auf eine Sportart zu fixieren. Als Sportdirektor von Alba Berlin vermittelt er schon Kindergarten-Kids seine Leidenschaft für die Bewegung im Team. Zu Fußball habe jeder einen Bezug, die Welt des Sports aber sei vielfältiger. Die Schulen sieht Harnisch in der Mitverantwortung: „Unser Traum ist, dass Kinder ab der 2. Klasse nach und nach verschiedene Sportarten vorgestellt bekommen und so ein Gefühl dafür entwickeln, was ihnen am besten gefällt.“

Der Spaß an Sport und Spiel wird in Vereinen gefördert, aber natürlich geht es auch darum, Kinder mit Begabungen zu entdecken. Laut Henning Harnisch beherberge Berlin auch für tolle Sportler ein großes Angebot: „Man muss diese Talente nur suchen, finden und fördern.“ Tarek und sein Mitspieler Moritz empfehlen auch älteren Kindern, es auf den Freiplätzen der Stadt oder bei einem Verein zu probieren: „Der Basketballer Dirk Nowitzki hat schließlich auch erst mit 14 angefangen.“

Bei Mädchen sind Ballsportarten noch immer weniger beliebt. Nebenan, in der anderen Hallenhälfte der Max-Schmeling-Halle B, soll Alina mit zwei Bällen gleichzeitig dribbeln. Gar nicht so leicht, obwohl die Zwölfjährige schon seit vier Jahren beim SSV Lok Bernau mitspielt. Talentscouts luden sie zum heutigen „Girls Day“, einem Probetraining für die Berliner Landesauswahl. Landesjugendtrainer Heiko Zach achtet auf Ballgefühl, Koordination – und die Körperlänge der Eltern. „Vieles kann man lernen, aber eben nicht alles“, sagt Zach und macht Mädchen wie Alina trotzdem Mut. „Bei Alba ist die Halle mit Jungs voll, sobald sie die Tür öffnen. Nach talentiertem Mädchennachwuchs aber leckt sich jeder Club die Finger.“ Um den großen Durchbruch geht es Alina bislang nicht. Anfangs suchte sie ein Hobby, das sie mit ihren Freundinnen gemeinsam ausüben konnte. „Jetzt machen mir Körbe werfen und Verteidigung am meisten Spaß.“

Es müssen nicht immer Ballsportarten sein, die Freude an der Bewegung entdecken lassen und sie in bestimmte Bahnen lenken. Die DLRG, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, bringt in ihren 15 Berliner Ortsverbänden Kindern ab fünf Jahren das Schwimmen bei. Das Seepferdchen-Abzeichen für die eigene Badehose oder den Badeanzug verdienen all die Wasserratten, die 25 Meter schwimmen, vom Beckenrand springen und einen Gegenstand mit den Händen aus dem Wasser holen. Carola Behrend, Bezirksleiterin des Ortsverbandes Friedrichshain-Kreuzberg, warnt: Die Anfängerkurse im Spreewald- und im Baerwaldbad sind beliebt, „Eltern sollten ihre Kinder am besten ein Jahr vorher anmelden.“ Wer das Seepferdchen schon in der Tasche hat, der kann sofort mitmachen. In den Folgejahren stehen erst die Abzeichen Bronze, Silber und Gold, dann die Ausbildung zum Juniorretter auf dem Schwimmplan. Im Juli organisierte Behrend ein „Lifesaving Camp“ für vereinsungebundene Jugendliche. Die Ortsgruppe Mitte zum Beispiel schult ihre Nachwuchsrettungsschwimmer im Sommer an der Havel.

Es soll ja Kinder geben, die weder Wasser noch Bälle mögen und die lieber hoch hinaus als tief hinab wollen. Zur Schulung von Muskelapparatur, Motorik und Koordination oder einfach nur wegen der Sache selbst – erfreut sich das Klettern immer größerer Beliebtheit. In der Regel versteht man darunter das Free Climbing: Es gibt nur Wand und Kletterer, Seilschaften dienen allein der Absicherung. Auch im „Magic Mountain“ in Wedding ist der Weg das Ziel. In der größten und kinderfreundlichsten Kletterhalle Berlins bietet Mitarbeiter und Teilhaber Till Kuttner After School Climbing, Klettercamps in den Ferien oder Familienklettern an und schmeißt Geburtstags- und Abenteuerparties. Die Erkenntnis dahinter könnte näher kaum liegen: „Der Kletterinstinkt steckt Kindern im Blut.“

So vielfältig die Sportmöglichkeiten für Kinder jeden Alters auch sind, so wenig dürfen Eltern dabei die eigentliche Selbstverständlichkeit aus den Augen verlieren: Erst der Spaß, der Rest kommt von allein. Bosse findet die Übungen ohne Ball manchmal blöd, gibt er noch zu, bevor er in die Kabine verschwindet. Und wenn Holger doch mal schreit. „Am meisten Spaß macht mir das Tore schießen!“ Sein Mitspieler Maximilian hat vorm Fußball Judo ausprobiert. War ihm zu anstrengend. Trainer und Mannschaftspräsident Zimmermann übrigens weiß aus eigener Erfahrung am besten, dass sich jedes Kind sein Hobby selbst sucht und suchen soll: „Mein Sohn singt jetzt im Dom- und Staatschor. Dort immerhin gibt es im Vergleich zum Fußball nur Gewinner.“

(erschienen in: zitty Berlin, 25. Mai 2009, Sonderheft Familie, Seite 24)