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Eine unvollständige Übersicht meiner in verschiedenen Publikationen veröffentlichten Texte sowie Blogposts aus der Zeit vor www.newkidandheblog.de. Mehr aus meinem Portfolio findet Ihr rechts oben im Menü. Ebenso meinen Kontakt für Text-, Moderations-, Lesungs-,- Workshop- und Kaffeeanfragen.

Darum war Pearl Jams TEN das Album, das mein Leben veränderte

In der 800. Ausgabe des Musikexpress schrieben diverse Musiker*innen und Autor*innen zum Jubiläum über Platten, die ihr Leben veränderten. Wenig überraschend für die, die mich kennen: Meine Wahl fiel auf Pearl Jams Debütalbum TEN. Hier mein Text dazu.

Pearl Jam – TEN (27. August 1991)

April 1994. Aufregung auf einem Schulhof am linken Niederrhein: „Hast Du schon gehört? Kurt Cobain ist tot!“, fragte mich eines der coolen Mädchen mit dem guten Musikgeschmack. Öh, ja, äh, hatte ich, gerade jetzt, in diesem Moment. Es gab noch kein Internet in der Hosentasche. Als personalisierter Algorithmus funktionierte damals noch der Freundeskreis, in dem man sich CDs auslieh und empfehlen ließ. Ich war 12. Von Nirvana und von Grunge hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gelesen. Ahnung hatte ich keine, aber mein Interesse war geweckt. Ich zog mir NEVERMIND auf Kassette – und entdeckte von dort aus eine andere Band aus Seattle, von der damals alle sprachen: Pearl Jam.

Deren Debüt erschien bereits 1991, jetzt zog es mich in seinen Bann. Die verzweifelte Wut des Openers „Once“, das treibende „Porch“, das in sich ruhende „Release“, das peitschende „Even Flow“, die hymnische Hitsingle „Alive“, das verstörende Class-Shooting-Video zu „Jeremy“, das Pathos und die Mimik des charismatischen Sängers Eddie Vedder – durch all das fühlte ich mich plötzlich verstanden. Worin genau, weiß ich bis heute nicht. Ich war kein gemobbter Außenseiter, gehörte aber auch nie zu den cool kids. Fortan trug ich lange Haare, Shorts und Flanellhemden und galt als Musikkenner ­– einfach deshalb, weil ich mehr als nur Lokalradio und „Bravo Hits“ hörte und Zeitschriften wie „Rolling Stone“, „Visions“ und diese hier las. Endgültig in love mit Pearl Jam fiel ich durch den VHS-Mitschnitt ihres „MTV Unplugged“-Konzerts und Vedders dortiger Performance. „State Of Love And Trust“ und die Mörderballade „Black“ gehörten seitdem auf jedes Mixtape für den nächsten Crush.

Im November 1994 erschien Pearl Jams schwieriges Drittwerk VITALOGY. Ich erinnere mich noch an die Poster, die im einzigen Plattenladen der Kleinstadt Geldern aushingen. Ich kaufte mir das Album von meinem Taschengeld und verliebte mich nach Startproblemen auch dort herein. Ich erinnere mich auch daran, wie ich einer Mitschülerin mit anderem Musikgeschmack ein Foto meines Helden Vedder zeigte und sie bloß kommentierte: „Bah, ist der hässlich!“. Im selben Monat erschien posthum Nirvanas „Unplugged in New York“. Platte und Video liefen als Soundtrack bei jedem Kellertreff im Jugendzimmer meines damals besten Freundes Jan mit, wenn wir abhingen und über Mädchen, Basketball und Musik redeten.

Den Kontakt zu Jan habe ich leider verloren, nicht aber den zu Pearl Jam. Ich gehe zu jedem Berlin-Konzert, höre mir (teilweise pflichtschuldig) auch ihre jüngeren Alben an und erinnere mich dadurch an eine wegen pubertärer Irrungen und Wirrungen nicht immer leichte, trotzdem aber irgendwie auch nicht nur schlechte Zeit. Bloß die Solosachen von Vedder, dem einzigen noch lebenden großen Frontmann des Grunge, sind mir erstaunlicherweise herzlich egal. Wir beide werden es verkraften.

 

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Dieser Text erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 08/2022.

Pearl Jam live in Berlin 2022: Hearts and thoughts they fade, fade away

Keiner geht noch: Am Dienstag, 21. Juni 2022, gastierten Pearl Jam erneut in der Berliner Waldbühne. 22.000 Fans erlebten zwei dankbar friedliche Stunden. Aber leider und eigentlich untypisch keine Minute mehr. Unser Live-Eindruck sowie Fotos, Videos und die Setlist.

Alive and well: Pearl Jam im Jahr 2020 (v.l.: Mike McCready, Matt Cameron, Eddie Vedder, Jeff Ament, Stone Gossard) Foto: Danny Clinch

Alle Jahre wieder ist es so weit: Pearl Jam, die Grateful Dead des Grunge, kommen so zuverlässig wie keine andere Rockband ihrer Generation auf Europatournee – und ihre Fans, darunter auch am Nachmittag in der Berliner S-Bahn nicht wenige Ü40-Männer in Cargo-Shorts und Bandshirts, pilgern ihnen nach. Diesmal liegen zwischen dem vorherigen und jüngsten Deutschland-Besuch vier Jahre, aufgrund der Corona-Pandemie zwei Jahre länger als geplant. Ein Unglück, das Sänger und Frontcharismatiker Eddie Vedder zum Ende des regulären Sets eher diffus adressiert: Im Frühjahr 2020 hätten Pearl Jam noch gedacht, dass die Tour zu ihrem damals neuen Album GIGATON nur um ein paar Wochen oder Monate verschoben wurde, sagt er, um dann in einem Halbsatz von „fucking german politicians“ zu sprechen. Im nächsten Satz schwenkt er um, damals hätten sich sehr viele Leute Tickets gekauft, und hier sei einer ihrer Fans, der seitdem alles dafür getan habe, damit er es dieses Jahr zum Nachholtermin schaffe: Ein Rollstuhlfahrer namens Roland wird unter Applaus auf die Bühne geschoben, Pearl Jam intonieren ihren peitschenden Brecher „Porch“, Roland und seine Begleitung werden wieder von der Bühne geschoben, und vier Minuten später verlassen auch Pearl Jam ebendiese für ein paar Augenblicke – sie haben nicht mehr viel Zeit, wie alle Anwesenden noch merken werden.

Dass die Show an diesem wieder wunderschönen Juni-Abend, dem offiziellen Sommeranfang, am Ende doch nicht ganz ausverkauft war, ist ein Novum für Pearl Jam. Viele Jahre hielten sie den Status inne, dass Tickets zu ihren Tourneen schneller ausverkauft waren als zum Beispiel die von Die Ärzte, wenn sie auf Berlin-Clubtour gehen. Das Konzert in der Waldbühne war das anfangs auch – mutmaßlich wegen limitierter Kapazitäten durch Corona-Auflagen. Wenige Tage vorher wurden „aus produktionstechnischen Gründen“ weitere Tickets in den Vorverkauf gegeben, und so kam es, dass Fans, die kurzfristig online oder vor Ort übrige Karten loswerden wollten, auch zu Dumping-Preisen darauf sitzen blieben. Ein Bild, das leider ins aktuelle Live-Schema der dürftigen Publikumszahlen passt: Die erwartete „Back to live“-Welle bleibt selbst bei den legendärsten Rockbands im großen Stile teilweise aus. Der Stimmung in der Waldbühne und der in bester „Ten Club“-Fanclub-Tradition aus aller Herren Länder angereisten Fans tat zumindest dies keinen Abbruch.

Pearl Jam, man muss das so sagen, sind buchstäblich die letzten großen Überlebenden aus der in Seattle geborenen Grunge-Ära. Nirvanas Kurt Cobain starb 1994. Alice in Chains´ Layne Staley 2002. Stone Temple Pilots´ Scott Weiland 2015. Soundgardens Chris Cornell 2017. Und dieses Jahr ging auch noch Mark Lanegan von den Screaming Trees viel zu früh. Dies funktioniert mutmaßlich nur mit einem stabilen privaten und beruflichen Umfeld, Disziplin, Arbeitsethos, Achtsamkeit – und, ganz platt und unpathetisch, Bock auf Musik. Und die haben Pearl Jam offensichtlich seit eh und je: Sie sind berühmt und berüchtigt dafür, in ihrer mittlerweile 32-jährigen Livekarriere keine Setlist wie die vorherige zu gestalten – und jede von ihnen erfreulich lang. Jeder Abend ist für Überraschungen gut, B-Seiten, Cover, Fanlieblinge, Raritäten, was auch immer. Davon gab es auch am Dienstagabend ein paar, nachdem Pearl Jam eine Stunde nach Ende der Vorband White Reaper um Punk 20 Uhr auf die Bühne kamen und mit „Why Go“, „Hail Hail“ und „Deep“ laut eröffneten: „Low Light“ und „MFC“ von YIELD (1998) etwa, die Ballade „Nothingman“, während der Vedder den einzigen Crowdsurfer bat, dies zu unterlassen, es sei doch ein romantischer Song und in den ersten Reihen stünden auch Frauen und Kinder, oder die erste Zugabe „Footsteps“.

BESEELTHEIT VS. ENTTÄUSCHUNG: 22 UHR IST ZAPFENSTREICH, PEARL JAM KOMMEN ZUMINDEST HEUTE NICHT WIEDER

Danach aber ging alles ganz schnell: „Street Fighting Man“ von den Stones, den eigentlich at least fünfminütigen Live-Klassiker „Yellow Ledbetter“ – und dessen Abwürgen nach einer Minute und 37 Sekunden, um noch schnell ihren größten Mainstream-Hit „Alive“ runterzurocken. Danach, um Punkt 22:00 Uhr, ist plötzlich Feierabend. Verabschiedung, Verneigung, Applaus – und nach wenigen Minuten der schwindenden Hoffnung, Pearl Jam kommen wie gewohnt für mindestens einen weiteren Zugabenblock wieder: Abbau. Beseeltheit vs. Enttäuschung. Klar, bei einer Diskografie von elf Studio-Alben wird es immer Songs geben, die Fans sich live vergebens wünschen. Heute fehlten neben dem TEN-Hit „Jeremy“, „Rearviewmirror“, „Daughter“ oder „Given To Fly“ vor allem der Gänsehaut-Mitsinger „Black“ und Neil Youngs „Keep On Rocking In The Free World“, auch sparten sie sämtliche Songs von ihren Alben BINAURAL, RIOT ACT, PEARL JAM und LIGHTNING BOLT aus.

Zwischendurch blieb immerhin Zeit für Ansagen und Anekdoten wie Vedders Sorge, dass dieser Abend ins Wasser fiele, weil es am Vortag stärker als in Seattle geregnet habe. Wie seine Erinnerung an das legendäre Jimi-Hendrix-Konzert, das 1970 in der Waldbühne stattfinden sollte, aber schließlich in die Deutschlandhalle verlegt wurde. Wie seinen Gruß an Fan Keith in der ersten Reihe, der gerade sein 50. Pearl-Jam-Konzert erlebt. Wie die Gratulation an die Fans Kathrin und Andreas, die sich mit 12 kennenlernten, seit 25 Jahren verheiratet sind und Vedders Vergleich, dass auch Gitarrist Stone Gossard und Bassist Jeff Ament sich mit 12 kennenlernten („Jeff already had huge balls, but I’ve never seen them“) und seit 39 Jahren gemeinsam in Bands spielten. Und wie Vedders obligatorischer Gruß ans Berliner Ramones-Museum und seine auf deutsch abgelesenen warmen wie diesmal nichtigen Worte an die Crowd. Für eine ausführliche Bandvorstellung blieb neben einem Shoutout an Ex-Peppers-Gitarrist Josh Klinghoffer, der nun Pearl Jam auf Tour begleitet, sowie einem Lob an Matt Cameron als besten Drummer der Welt keine Zeit, auch über den Krieg in der Ukraine oder den Tod von Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins sprach er, anders als bei anderen Konzerten, nicht. (Damit setzte sich Drummer Matt Cameron ja jüngst auch leider in die Nesseln.) Aber dazu, dass sie natürlich wiederkommen würden. Dies sei keine Frage.

Auf Instagram posteten Pearl Jam nach dem Konzert ein Foto der ursprünglich geplanten Setlist für diesen Abend, und huch: Sie war kaum länger als die tatsächlich gespielte. Der sogenannte Curfew, also die städtische Auflage, zu welcher Uhrzeit ein Open-Air-Konzert wie das hier beendet sein muss, war also nur teilweise ein Grund für die zumindest für Pearl Jam ungewohnt knappe Spielzeit. Auch die Setlists der bereits absolvierten aktuellen Pearl-Jam-Shows umfassten kaum mehr als 23 Songs, während es auf vorherigen Touren gerne mal locker 29 waren. Nein, Pearl Jam sind auch keine 20 mehr, ihre Mitglieder gehen all auf die 60 zu. Dafür sind sie eben immer noch da. Außerdem war Eddie Vedder Anfang des Jahres mit ernsthaften Symptomen an Corona erkrankt, dafür berserkte er noch ordentlich über die Waldbühne. Und: Ein zweistündiges Konzert ist immer noch ein längeres als bei vielen anderen Bands dieser oder anderer Größenordnung. Ein Instagram-User kommentierte entsprechend augenzwinkernd, dass jemand anhand dieser Setlist bitte mal den Red Hot Chili Peppers zeigen könne, wie viele Songs man während eines Sets zu spielen habe. Als Fazit gilt abseits des Fan-Jammerns auf sehr hohem Niveau: Dass in unserer Gegenwart im Allgemeinen und im Jahr 2022 im Speziellen 22.000 gut gelaunte Menschen derart friedlich und entspannt einen gemeinsamen Sommerabend mit ihrer Lieblingsband verbringen, gleicht mitunter einem Traum – und ist ein Beweis dafür, was Musik doch noch so machen kann. „Hearts and thoughts they fade, fade away“, heißt es in „Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town“. Zum Glück bleiben viele aber doch.

PEARL JAM LIVE IN BERLIN 2022 IN DER WALDBÜHNE – VIDEOMITSCHNITTE VON FANS:

„Why Go“

„Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town“

„Amongst The Waves“

„Not For You“

„Nothingman“

„Porch“

„Yellow Ledbetter / Alive“

Dieser Nachbericht erschien zuerst am 22. Juni 2022 auf musikexpress.de.

Generation A: Arcade Fire sind dank „WE“ wieder die größte Indierockband der Welt

Fünf Jahre nach EVERYTHING NOW veröffentlichen Arcade Fire ein neues Album. WE verkörpert die Rückkehr zu alter Stärke – und ist inspiriert von einem dystopischen russischen Schriftsteller aus dem frühen 20. Jahrhundert, dem Ende des amerikanischen Traums und der Zukunft unserer Kinder. Vor allem aber: Es katapultiert die Band um die Eheleute Win Butler und Régine Chassagne zurück an die Spitze des Indie-Rock. So überzeugend waren sie lange nicht.

Arcade Fire 2022 (Foto: Michael Marcelle)

Montagabend in New Orleans. Wir schreiben den 14. März 2022. Ein Bassbeat in bester New-Order-Manier wummert durch das in blaues Licht getauchte Toulouse Theatre, einem kleinen Club im French Quarter der Stadt, die wie die Band der heutigen Nacht den Ruf eines karnevalsbunten Schmelztiegels der französischen, afrikanischen und amerikanischen Kultur genießt. Wie eine Superheldin aus dem Untergrund schießt Régine Chassagne mit ihren Händen neon-grüne Lichtstrahlen ins Publikum, das seit zwei Jahren keine Liveshows mehr erlebt hat. Arcade Fire, dieses achtköpfige Kollektiv aus quirligen Multiinstrumentalist*innen, standen bis zu diesem Zeitpunkt genauso lange nicht mehr auf der Bühne. Jetzt, in diesem Moment, stellen sie live ihren neuen Song „Age Of Anxiety“ vor, und der verspricht nicht nur den glücklichen Anwesenden Großes: „Eine großartige Arcade-Fire-Single könnten wir sehr gut gebrauchen“, kommentiert am Tag danach ein User auf You Tube, „tolle Melodie“ ein anderer, „EPIC SONG, ANOTHER GRAMMY“ der nächste. Armbänder als Tickets für das Konzert, eine Benefiz-Show zugunsten des Ukraine Relief Fund, wurden kurzfristig am Venue selbst gegen einen freiwilligen Beitrag verkauft. Die Band streamte die Show zudem live auf ihrem reaktivierten Instagram-Account. Ebenda kündigten sie am selben Tag auch ihre offizielle neue Single „The Lightning I, II“ und, kurz darauf, ihr sechstes Studioalbum WE an, nachdem sie ihre Fans dort und via Newsletter mit handgeschriebenen Chords „WE missed you“ und „See you soon“ darauf einstimmten.

Dieses 18 Songs umfassende Benefiz-Konzert im kleinen Rahmen war das erste aktuelle seiner Art, aber nicht das letzte. In der gleichen Woche wiederholen Arcade Fire das Prozedere des „Pay what you can“-Last-Minute-Gigs vier Nächte in Folge im New Yorker Bowery Ballroom. In dem legendären Club in Manhattan, der 600 Gäste fasst, traten sie zuletzt 2004 auf. Nun, am letzten Abend der Reihe, covert David Byrne mit ihnen „Give Peace A Chance“, Schauspieler und Comedian Mike Myers hält vorm Zugabenhit „Wake Up“ eine politische Ansprache: „Du kannst die Regierung haben, die du willst. Aber wenn du die Demokratie verlierst, bist du fucked. Deshalb möchte ich den Menschen in der Ukraine sagen: Kämpft weiter, wir unterstützen euch. Demokratie ist der way to go“, argumentiert er und endet persönlich: „Meine Eltern bekämpften die Faschisten im Zweiten Weltkrieg. This is a real thing. Wir haben alle geschlafen. Wir lagen im Covid-Winterschlaf. Und nun, Ladies und Gentlemen, ist es Zeit aufzuwachen.“ Spätestens jetzt ist klar: Fünf Jahre nach ihrem bisher letzten Album und nach zwei Jahren Pandemie sind Arcade Fire zurück. Der PR-Tross rollt an der Basis an, because WE missed you, die neuen Songs werden in Bandtradition im Kleinen für die großen Bühnen getestet – in einer Welt, die mindestens in der öffentlichen westlichen Wahrnehmung eine andere ist.

Arcade Fire galten von Anfang an als Lieblinge von Fans und Kritiker*innen. 2003 im kanadischen Montreal vom in Kalifornien geborenen und in Texas unter Mormonen groß gewordenen Win Butler und der als Tochter haitianischer Eltern in Montreals Vorort Saint Lambert aufgewachsenen Chassagne gegründet, landete ihr Debüt FUNERAL, ein euphorisches Konzeptalbum über den Tod, in etlichen Bestenlisten des Jahres 2004 und später in den gleichen Listen über die besten Platten der Nullerjahre ganz weit oben. Als Missing Link zwischen Marching Bands, Orchestergräben und Indie-Pomp eroberten sie die Rockwelt buchstäblich mit Pauken und Trompeten, mit Akkordeons, Xylophonen, Orgeln, Celli, Harfen, Handclaps, Synthesizern. „Wake Up“ und „Rebellion (Lies)“ zählen auch live zu ihren am frenetischsten gefeierten Hits. Heute, fast 20 Jahre später, sieht Sänger, Gitarrist und Songschreiber Butler mit FUNERAL den Grundstein ihrer bis heute anhaltenden Karriere gelegt – und den eines mutmaßlichen Missverständnisses: „Allein auf FUNERAL gibt es von Folk über Electronic bis zu karibischen Klängen über ein halbes Dutzend verschiedener Genres und Sounds. Dort streuten wir die Saat für alles, was wir danach taten, sie liegt auf dieser Platte“, sagt er im Videointerview mit dem Musikexpress Ende März, für das er es sich in seiner Garage in New Orleans, seinem und Chassagnes neben Montreal zweitem Hauptwohnsitz, ohne seine Frau bequem gemacht hat und klärt auf: „Die Leute sehen oft nur mich, den 1,94 Meter großen Kerl, der singt. Régine spricht Creole und wuchs mit karibischer Musik auf. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Wert für Arcade Fire hoch genug angesehen wird. Sie singt, sie tanzt und sie spielt von Jazz bis Klassik jedes verdammte Instrument, das irgendjemand in der Geschichte der Menschheit jemals spielte. Und da reden wir nur von ihr. Jeremy (Gara) spielte in Hardcore- und Metal-Bands als der verrückteste und schnellste Drummer, den ich jemals sah. Tim (Kingsbury) singt wunderschöne Harmonien und kann Country-Musik. Das macht Arcade Fire für mich so anhaltend interessant. Wir bringen all diese Einflüsse mit einem immer neuen Sound zusammen.“

Zwischen Licht und Dunkelheit ist viel Platz für Farben: Arcade Fire 2022 (Foto: Michael Marcelle)

Weil sie also wollten und weil sie konnten, erfanden sie sich seitdem mit jedem Album ein Stück neu. Der opulente Nachfolger NEON BIBLE wurde in einer Kirche aufgenommen, ihr Klassiker und Grammy-Gewinner THE SUBURBS, wieder ein Konzeptalbum, sei als Brief aus jenen Vorstädten zu verstehen, sagte Win Butler damals, 2010 – namentlich aus The Woodlands, ein Vorort Houstons, in dem er und sein Bruder Will aufwuchsen. REFLEKTOR, zu dessen PR sie im Vorfeld Geheimshows unter dem Namen The Reflektors gaben und Win Butler danach als DJ Windows 98 auflegte, galt 2013 als ihr Discoalbum, selbst David Bowie ist darauf zu hören. Zwischendurch traten sie mit Bruce Springsteen und U2 auf und spielten Soundtracks für Spike Jonzes Kinderfilm „Wo die wilden Kerle wohnen“ und seine Cyber-Romanze „Her“ ein. Der Regisseur war und ist einer von vielen berühmten Freunden der Band, er inszenierte für Arcade Fire diverse Musikvideos. Die erste Form der Zäsur folgte 2017: Ihr fünftes Album EVERYTHING NOW, eine poppige, stellenweise schlagereske Platte mit Panflöten, die keine waren, gilt als Flop. In den Charts diverser Länder stieg sie hoch ein und fiel tief. Arcade Fires Europakonzerte, zum Beispiel in der Berliner Wuhlheide, mögen Erfolgsmärsche gewesen sein. Die US-Konzerte ihrer „Infinite Content“-Tour wurden in kleinere Hallen verlegt. Win Butler hört das nicht gerne. Im Interview darauf angesprochen, sagt er: Die Leute schreiben viel. Auf EVERYTHING NOW seien ein paar der besten Songs ihrer Karriere zu hören, „Creature Comfort“ und „Electric Blue“ etwa gehörten seitdem zu beliebten Standards in ihrem Live-Repertoire. Was damals stimmte und noch immer stimmt: Stillstand kann man Arcade Fire nicht vorwerfen. Mainstreamanschluss aber auch nicht.

Arcade Fire! Live! Berlin! Sold Out!

Der blondierte 41-jährige Hüne definiert die subjektive Relevanz und Qualität von Musik im Allgemeinen und seiner eigenen Platten im Speziellen zuerst als Generationenfrage. „Wenn du 13 warst, als FUNERAL erschien, ist das für dich unser Sound“, sagt er und erinnert sich: „Ich war 15, als THE BENDS erschien. Radiohead wird für mich immer diese Band von damals sein. Wie oft dachte ich danach: Hört auf mit dieser elektronischen Musik, klingt wieder so wie früher! Aber das ist nur meine Perspektive. Leute, die jünger als ich sind, verbinden mit Radiohead alles nach KID A. Musik und ihre Wahrnehmung hat immer viel damit zu tun, wo der Hörer in seinem eigenen Leben steht.“ Viele Bands, die Butler während seiner High-School-Zeit hörte und liebte, existierten damals schon nicht mehr. Er las über sie in Magazinen, hatte keinen Kontext, puzzelte sich durch ihre Musik alles zusammen.

„Ich bin immer skeptisch, wenn Leute große Ankündigungen dazu machen, dass irgendetwas gut oder schlecht ist“, sagt er. „Um das wirklich zu wissen, braucht es mindestens 20 Jahre Zeit und Abstand.“ Motown, Bands wie die Ramones, Pixies und New Order, Songwriter wie Bob Dylan und Neil Young, all diese Musik hörte er während der Gründung von Arcade Fire gerne und hört er immer noch, auch Komponisten wie Claude Debussy und Arvo Pärt. Der Polarstern seiner Band aber seien The Clash gewesen. Als die anfingen, mit Discomusik zu experimentieren, haben all die Punkrocker auch gerufen: „Wie könnt ihr es wagen?“ Butler kümmert sich um solche Reaktionen nicht: „Ich habe keine Angst, unseren Instinkten zu folgen. Ich mache es einfach.“

Auf ihrem sechsten Album WE sollte trotzdem oder gerade deshalb alles anders werden. Sieben in zwei Seiten namens „We“ und „I“ aufgeteilte Songs sind darauf zu hören, die sich bis auf den Abschlusstrack „We“ jeweils wiederum in mehrere Passagen gliedern. Die Single „The Lightning I, II“ etwa ist auf dem Album in zwei Einzelteilen angelegt, gleiches gilt für „Age Of Anxiety I“ und „Age Of Anxiety II (Rabbit Hole)“. Diese an Progrockplatten erinnernde Strukturierung ist in Arcade Fires Diskografie nicht neu, man denke nur an die vier „Neighborhood“-Teile auf ihrem Debütalbum. Neu aber ist das Destillat, das gewonnen werden wollte – Butler hat angeblich Songs „für die nächsten 20 Jahre“ geschrieben und tat sich bei der aktuellen Auswahl schwer –, das Produktionspersonal – statt wie in der Vergangenheit von Markus Dravs (The Killers, Florence And the Machine), Thomas Bangalter (Daft Punk) oder James Murphy (LCD Soundsystem) stand ihnen nun Nigel Godrich (Radiohead, Beck) bei den Aufnahmen in New Orleans, El Paso und Maine zur Seite – und die Welt, deren Licht das Ende 2021 fertiggestellte Album WE nun erblickt, haben sich verändert.

MUSIKEXPRESS: Es herrscht Krieg in der Ukraine. Ein Krieg, der so unmittelbar wie lange nicht mehr den viele Jahre als sicher geltenden Westen berührt. Schlechtes Timing für die Bewerbung und Veröffentlichung einer neuen Platte, oder?

Win Butler: Über Dinge wie diese haben wir alle keine Kontrolle. In jedem solcher Momente denken wir, dass wir das Ende der Welt erleben. Und immer dann finden Dinge einen Weg, noch verrückter zu werden. Ich glaube, unser Album hat etwas zu beiden Seiten der Medaille zu sagen. Zur dystopischen und zur hoffnungsvollen. Diese Seiten existieren ohnehin parallel und zur selben Zeit.

Viele Bands und Soloacts entschuldigen sich dieser Tage dafür, dass sie gerade, nach zwei Jahren Pandemie eigentlich endlich, wieder Konzerte spielen und Platten herausbringen, weil die Welt spätestens seit Russlands Angriff auf die Ukraine und dem daraus folgenden Leid und all der Angst gerade größere Probleme hat. Wie denkt ihr darüber?

Ich sehe das anders. Mein Großvater (Jazz-Gitarrist Alvino Rey – Anm.) spielte in den 20ern und 30ern in Big Bands. Er spielte in New York, als die Börse zusammenbrach. Der Zweite Weltkrieg begann, die Große Depression. Shit just happened. Viele solcher Ereignisse wiederholen sich in einem 100-Jahres-Kreislauf. Wir treten gerade wieder in gewaltvolle und unsichere Zeiten ein. Aber Musik ist ein derart essenzieller Teil von Menschlichkeit – es gibt keinen schlechten Zeitpunkt für sie.

Neue Songs ihrer Lieblingsband helfen Leuten also immer noch?

Mir als Teenager half es, neue Bands und LPs zu hören. Wenn du dir eine Platte anhörst und in die Welt des Künstlers einsteigst, verbindest du dich auch mit deiner eigenen Menschlichkeit. Und wenn du es schaffst, in andere Welten einzusteigen, hilft es dir auch dabei, mit anderen Menschen eine Verbindung herzustellen.

WE ist ein Album über die Reise vom Ich zum Wir. Seinen Titel verdankt es dem gleichnamigen, 1920 erschienenen dystopischen Roman des russischen Schriftstellers und Revolutionärs Jewgeni Iwanowitsch Samjatin. Er beschrieb darin eine fiktive Gesellschaft, in der jegliche Individualität unterdrückt wurde und handelte sich damit den Unmut der Bolschewiki ein. „Wir“ war das erste Buch, das offiziell in der Sowjetunion verboten wurde und gilt in seiner Grundidee als Vorläufer von George Orwells „1984“. Butler war im Vorfeld des neuen Albums nicht nur davon inspiriert, sondern auch vom in Kanada lebenden US-Autor William Gibson und dessen 1984 erschienenem Roman „Neuromancer“, in dem er unter anderem die Begriffe des Cyberspace und der Matrix prägte. Was genau hat Butler daran fasziniert? „In den Siebzigern schrieb Gibson über die entfernte Zukunft. Jeder Roman wurde nach und nach zur Gegenwart. Jetzt schreibt er über die Gegenwart, weil die Zukunft von ihr eingeholt wurde.“ Wurde sie? Schließlich sei zwar Trump US-Präsident gewesen, wie in „Zurück in die Zukunft“ prognostiziert, aber Hoverboards haben wir noch immer keine. Ja, scherzt Butler am Bildschirm zurück, während er in seine Garage in New Orleans hockt, so ein Board hätte er auch gerne, aber der „Facetime-Shit hier ist eigentlich cooler als er bei den ‚Jetsons‘ war!“

Ein zentraler Song auf WE ist das neunminütige „End Of The Empire I–IV“ und seine sperrig anmutende Unterteilung in „I. Last Dance“, „II. Last Round“, „III. Leave The Light On“ und „IV. Sagittarius A*“. Letzteres ist übrigens der Name eines supermassiven Schwarzen Lochs im Zentrum der Galaxie, an das die Fotografie eines menschlichen Auges des Künstlers JR auf dem Cover-Artwork von WE erinnert. Bearbeitet wurde sie in einer Airbrush-Farbgebung von Terry Pastor, der die gleiche Technik wie bei David Bowies HUNKY DORY- und ZIGGY STARDUST-Covern anwendete. „Standing on the end of the American empire“, singt und wiederholt Butler in jenem Stück. Die Musik dazu klingt erst wie das Ende eines Films, wie ein Abspann-Soundtrack, zu dem wir die Credits lesen und uns dabei fragen, ob das Gesehene und Gehörte nun Hoffnung oder Unsicherheit schürte, dann, im nächsten Teil, stellenweise wie Lennons „Imagine“, im Anschluss wie ein Monument der Beatles aus der Zeit, als sie den süßen Radiopop längst hinter sich gelassen hatten. Ein anderer zentraler Song ist der anfangs wohl unscheinbarste: Im von Régine Chassagne gesungenen „Unconditional II (Race And Religion)“ ist Genesis-Legende Peter Gabriel als Gastsänger zu hören. Noch so ein berühmter Freund der Band. Zu seiner in zahlreichen Serien und Filmen zu hörenden Coverversion ihres NEON BIBLE-Songs „My Body Is A Cage“ kriegen Arcade Fire noch immer jeden Tag Lizenzanfragen. Butler zitiert Chassagne: Genesis seien mit ihm damals in Montreal größer als die Beatles gewesen, seine Musik habe in den sonst so gleich klingenden Achtzigern einen neuen, von afrikanischen Rhythmen geprägten Sound auf den Tisch gebracht, der Chassagne nicht nur wegen ihrer haitianischen Familien- und Kulturgeschichte begeisterte.

Die ME-Ausgabe 05/2022 mit meiner Titelgeschichte über Arcade Fire

Als weitere Gäste auf WE sind Butlers Mutter Liza an der Harfe und Butlers und Chassagnes achtjähriger Sohn, der in Arcade Fires „Generation A“-Performance in „The Late Show with Stephen Colbert“ 2020 einen Auftritt hatte, mit seiner Stimme zu hören. Eine Family Affair, könnte man meinen. Doch eine andere Personalie ist ebenfalls neu: Wins Bruder Will Butler hat die Band Ende 2021, nach Beendigung der Aufnahmen zu WE, verlassen. Bei den ersten Konzerten in New Orleans und New York im März war er nicht mehr dabei, auch im von Emily Kai Bock gedrehten Video zu „The Lightning I, II“ spielte er nicht mit. Fans wurden unruhig, fragten nach, Will Butler erklärte sich sodann, inmitten der ersten großen Promowelle zu Arcade Fires neuer Platte, auf Twitter: Ja, er sei ausgestiegen, aber in allerbester Freundschaft. „Ich habe mich in den vergangenen 20 Jahren verändert, die Band hat sich verändert. Zeit für neue Dinge“, schrieb er knapp. Butler führte aus, dass er an einem neuen, seinem vierten Soloalbum arbeite und bereits ein paar Konzerte im Sommer geplant habe.

Sein Bruder Win, die ganze Band ist darüber traurig, hat aber vollstes Verständnis. Auf der Bühne und im Studio kamen und gingen seit ihrer Gründung Dutzende Musiker*innen. Will war seit dem Großteil von FUNERAL dabei, ging damals noch zur Schule und hat wegen eines Politikstudiums schon einmal die Band, aber nur für ein Jahr, verlassen. Nun aber hat auch Covid viel verändert, weiß Win. Sein Bruder hat drei junge Kinder. „Régine und ich haben es geschafft, unseren Sohn mit auf Tour zu nehmen und eine Art Familienleben zu haben. Er müsste seine Familie für eine Welttour in den prägenden Jahren der Kinder zurücklassen. Dies nicht zu tun, ist noch wichtiger als Musik.“ Live werden Arcade Fire, die im Kern neben Butler und Chassagne weiterhin aus Richard Reed Parry, Tim Kingsbury und Jeremy Gara bestehen, fortan von Dan Boeckner (Wolf Parade) und Paul Beaubrun unterstützt, fürs Songwriting sei Wills Ausstieg ebenfalls aufzufangen: Butler und Chassagne schreiben sämtliche Arcade-Fire-Songs ohnehin zu zweit.

Selbst die fernere Zukunft von Arcade Fire scheint keineswegs ungewiss. Sie wurde wie in Gibsons Romanen teilweise von der Vergangenheit eingeholt, die auch ihre Gegenwart beeinflusst. Klingt kompliziert? Butler erklärt die zeitlichen, persönlichen und popkulturellen Zusammenhänge so: „Die Musik, die ich als Kind hörte, war teilweise die gleiche, die David Bowie oder Bono hörten, als sie Kinder waren. Es liegt in der Natur der Moderne, dass Dinge sich vorwärtsentwickeln. Nun können wir zurückgehen. Ich war schwer beeinflusst von Musik aus den 50ern, 60ern und all dem britischen New Wave und Postpunk danach. Am Ende verbinde ich mich mit Künstlern über die Dinge aus der Vergangenheit, die einen großen Einfluss auf dich ausübten – selbst wenn du noch nicht geboren warst, als ihre Platten herauskamen.“ Wie meinst du das, Win, und was hat das mit euren nächsten Alben zu tun? „Ich weiß, dass Coldplay zum Beispiel haufenweise kontemporäre Produzenten anheuern. Ich hingegen hege die Hoffnung, dass wir weiterhin LPs machen – und dass du sie dir in 20 Jahren anhörst und verstehst, dass sie alle eine Einheit bilden sollen.“ Butler argumentiert, die Ökonomie des Streamings beschere uns überwiegend Popsingles. Er hofft, dass eine Generation heranwächst, die noch an Alben glaubt. Die das Risiko eingeht, in Platten einzutauchen, ihnen Zeit gibt. Für ihn, den Albumliebhaber und -künstler, ist das „der Shit, der Menschen verändert. And that shit lives forever.“

Apropos Zukunft, nachfolgende Generationen, apropos Kinder, apropos Kriege, apropos Klimawandel, apropos Wir, apropos Ich: „Generation A“, eine Hommage an „Baba O’Riley“ von The Who, die nur auf YouTube als Liveversion zu hören ist, wurde von Butlers und Chassagnes Sohn inspiriert. Seine Generation sei nach der Generation, X, Y und Z nun die sogenannte Generation Alpha. Sein Vater glaubt: „Wenn er ein Indikator dafür ist, in welche Richtung sich die Kids bewegen, liegt unsere Zukunft in guten Händen. Du sollst von deinen Kindern lernen und nicht versuchen, ihnen etwas beizubringen. Wir haben von dieser jungen Generation viel zu lernen, sie sind auf einem guten Weg. Ich habe große Hoffnung, dass die fucking Generation A sich kümmert. Viele von ihnen kommen mit viel offenerem Geist daher, wissen mehr über die Welt und wie wir alle verbunden sind und they give a shit. Viel von meinem Optimismus kommt daher, dass ich mit Kindern dieses Alters abhänge. Da kommt ein Feuerwerk aus ihnen heraus.“

Was kurzfristiger kommt? Vielleicht ein Remix von oder für New Order, verrät Butler zum Abschluss. Vielleicht Jubiläumsfeiern zu FUNERAL. Definitiv große Konzerte, in Kanada und den USA, auch in Deutschland und Europa. Und die werden, wie die kleinen Shows in New Orleans und New York, wieder ein Siegeszug, because WE missed you, too. Die Ausnahmeband Arcade Fire und der anhaltende Ausnahmezustand dieser Welt hätten es verdient.

Dieser Text erschien zuerst in der Mai-Ausgabe 2022 des Musikexpress als Titelgeschichte. Auf Musikexpress.de veröffentlichte ich zudem mein Interview mit Win Butler.

2017, nachdem Arcade Fire EVERYTHING NOW veröffentlichten, sprach ich für den Musikexpress bereits mit Win Butlers Bruder Will. Hier das Interview.