Mit Sophie Passmann, Khesrau Behroz und Matze Hielscher: Von folgenden Podcasts ließ ich mich neben den noch üblicheren Verdächtigen 2025 gerne informieren, unterhalten oder berieseln. Eigene Gastauftritte inklusive!

Schickes Studio: Sophie Passmann sendet ihren Podcast nicht nur über die gängigen Audioportale, sondern, wie der ein oder andere reichweitenstarke Podcast ebenfalls, inklusive Video über YouTube raus.
Keine Ahnung, ob es als (nicht im historischen Sinne so genannter) Popjournalist clever ist, öffentlich zu gestehen, dass ich seit geraumer Zeit mehr Podcasts als Musik höre. Als Journalist an sich dürfte es das sein. Doch selbst wenn nicht: Geht mir eh gehörig auf den Sack, dass von LinkedIn über Instagram bis hin zu Business-Small-Talks ständig alle behaupten, sie machten alles richtig oder hätten Durchblick. Macht niemand, hat niemand!
Mir wird zum Glück im, äh, Alter ein wenig egaler, was andere von mir denken. Mindestens aber egaler, was ich von meinem beruflichen und privaten Tun oder Nicht-Tun nach außen trage. Keine Frage: Das Sendungsbewusstsein ist da, sonst unterhielte ich wohl kaum zwei Blogs, einen Podcast (im Schneewittchen-Schlaf) oder veröffentlichte bisher zwei Bücher. Zur Selbstvermarktung als Solo-Selbständiger kann ich auf „das Internet“ auch nicht verzichten. Aber mindestens kurzfristig unbezahlte Stunden und Nerven für die Erstellung eines einzigen Posts auf Instagram, womöglich noch unter Beachtung des Kuschelzwangs mit dem Algorithmus, zu verschwenden, sehe ich zunehmend weniger ein. Vom Doomscrolling ganz zu schweigen. Beides mache ich manchmal trotzdem.
Was ich eigentlich sagen wollte: Für die Musikexpress-Ausgabe 04/2025 schrieb ich ein Essay über die Kulturgeschichte des Podcasts und listete daneben 43 Podcast-Empfehlungen zwischen Pop, Talk, News und True Crime auf. Neben abgeschlossenen Formaten tauchten darin auch Dauerläufer- und plauderer wie „Talk ohne Gast“, „Apokalypse und Filterkaffee“, „Baywatch Berlin“ und „Fest und Flauschig“ auf, von denen ich mir weiterhin das Ohr blutig labern lasse. Seitdem sind aber auch diverse Podcasts dazu gekommen, die ich gerne hörte oder höre, um nicht Doom-Listening zu sagen. Zum Beispiel die folgenden.
Drölf Podcasts, die ich neben 43 anderen 2025 gerne gehört habe
„Legion: House of Scam/War on Scam“
Khesrau Behroz, mal wieder mein Journalist des Jahres. Nach den „Cui Bono“-Reportagen und -Hintergrundstücken zu Ken Jebsen und dem Drachenlord und nachdem sie fast zufällig RAF-Terroristin Daniela Klette ausfindig machten, beleuchten Behroz und das Team seiner Produktionsfirma Undone in „Legion: House of Scam“ und „Legion: War on Scam“ die, richtig, Scam-Industrie. Im ersten Teil geht es unter anderem um eine Frau, die beim Online-Dating auf einen Betrüger reinfiel, ihm immer wieder Geld überwies – und danach darum, wer in Wahrheit dahintersteckte, mit welchen Maschen, Motiven und Erfolgsaussichten. Im zweiten Teil verlässt die Erzählung zunehmend die individuelle Ebene und widmet sich der Recherche zum System dahinter, die Behroz schon früh bis Myanmar führte und danach in die Wettbüros des Profifußballs.
„Die Peter Thiel Story“
Pro: Gut recherchierter und erzählter Deutschlandfunk-Podcast über Aufstieg, Macht und Verstrickung des wohl einflussreichsten Tech-Unternehmers und Milliardärs der Welt. Contra: Die Gefahr, die von ihm als Anti-Demokrat, Palantir-Gründer und christlicher Fundamentalist ausgeht, wird zwar nicht verschwiegen. Ihre potentiellen Ausmaße rücken auf Kosten einer Art Heldensaga, die hier, mutmaßlich nur bedingt freiwillig, miterzählt wird, aber zu oft in den Schatten des Entwurfs eines businesspunkigen Superschurken, der es mit allen aufnehmen kann. Was daran liegen mag, dass der sehr geschätzte Host Fritz Espenlaub auch Co-Moderator vom ARD-Podcast „Der KI-Podcast“ und als solcher trotz aller journalistischen Distanz und Professionalität manchmal auch ein wenig wie ein Fanboy von KI, ihren Errungenschaften und den Start-ups dahinter klingt. Aber dafür eben auch sehr versiert und neugierig. Apropos: Bin ich der einzige, den Espenlaubs angenehme Stimme an die von Timmo Niesner („Ich heirate eine Familie“) erinnert?
Popkulturelle Takes mit Durchblick
„Der Sophie Passmann Podcast“
Zugegeben: Dass ich als Mann die sehr selbstbewusste Sophie Passmann vor diesem Podcast irgendwie arrogant und unsymphahtisch fand, sagt mehr über mich aus als über sie. Doch auch darüberhinaus ich war skeptisch: Ein Podcast mit nur einem Host – kann das gut gehen? Turned out: Yes, es kann! Autorin und Moderatorin Sophie Passmann – wie ich geboren am Niederrhein, aber, anders als ich, nicht dort aufgewachsen – mangelt es weder an Sendungsbewusstsein noch an Durchblick. Ihre popkulturellen, feministischen und zeitgeistigen Takes über Charlie XCX, Influencer, Taylor Swift, Online-Dating, „Sex And The City“, Gen Z, Fashion-Trends oder den letzten Social-Media-Schrei kommen stets klug, pointiert und informiert sowie gleichermaßen selbstreflektiert, -verliebt und -kritisch daher. Und manchmal ganz schön drüber. Anfang März wird ihr neues Buch „Wie kann sie nur?“ (KiWi) erschienen sein. Ich werde es lesen.
„Der KI-Podcast“
Was kann Chat GPT 5, was sein Vorgänger noch nicht konnte? Wieso halluzinieren KI-Modelle? Wie funktionieren sie ganz grundsätzlich? Warum machen sie welche Fehler? Wo helfen sie uns von Arbeit über Bildung bis hin zu Privatvergnügen wirklich, wo sind sie kaum mehr als Spielereien, wo schaden sie in welchem Ausmaß? Was bedeutet überhaupt LLM? Killt Nano Banana wirklich jeden Grafikdesignjob? Inwiefern unterscheiden sich weitere Chatbots wie Gemini von Google, Claude von Anthropic oder Le Chat von Mistral vom Platzhirsch Chat GPT? Wer verdient an deren Nutzung wie genau? Ist der Datenschutz am Arsch? Erleben wir hier den Aufstieg eines weltweit disruptiven Gamechangers wie einst das Internet – oder die nächste Blase, die bald platzt?
Fragen wie diese besprechen die Journalist*innen und KI-Expert*innen Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jeden Dienstag im ARD-Podcast „Der KI-Podcast“. Das gelingt ihnen fachkundig, kurzweilig, up to date, praxisnah, grundoptimistisch – und manchmal ein My zu euphorisch. Wer bei nicht vermeidbaren technischen Detailfragen manchmal die Einordnung in das größere Ganze vermisst, dem empfehle ich die „Hotel Matze“-Folge, in der Gregor Schmalzried zu Besuch war:
Schmalzried hat übrigens vor ein paar Wochen ein Sachbuch namens „Wir, aber besser: 7 Ideen, wie Künstliche Intelligenz uns kreativer und menschlicher macht“ (Goldmann) veröffentlicht. Ein (bestimmt lesenswertes, noch auf meinem Nachttisch liegendes) Himmelfahrtskommando, das ohne Klein-Klein auskommen muss, denn: Selbst Podcastfolgen, die das Trio erst vor wenigen Wochen aufnahm, wurden nicht selten von der Realität beziehungsweise dem nächsten Update eingeholt. Die Gefahr, als Printprodukt mit entsprechend größerer Vorlaufzeit erst recht überholt zu werden, ist ungleich größer.
Weiterlesen:
- Listenwahn: Meine Lieblingsalben des Jahres 2025
- 43 Podcasts, die sich lohnen
- Audio Killed The Radio Star: Wie Podcasts die Mediennutzung verändern
- „Podcasts sind ein riesiger Fanzine-Pool“: Maria und Nilz Lorenz-Bokelberg im Interview
- 10 Fakten über deutschsprachige Musikpodcasts
„Nicht mehr mein Land“
Die mich bewegendste Podcastfolge im Jahr 2025 war eventuell Folge 3 des sechsteiligen Reportage-Podcasts „Nicht mehr mein Land“. Journalist Alexander „Ali“ Gutsfeld spricht darin über sein Selbstverständnis als Deutscher mit ägyptischen Wurzeln, über Angela Merkels „Wir schaffen das!“-Moment, den anhaltenden Rechtsruck, mit seinem besten Freund Ramy, der sich trotz Studium in Deutschland hier nie zuhause fühlt und nach Jerusalem zurück will, mit Gloria von Thurn und Taxis über die AfD und Remigration – und, in jener Folge 3, mit einem Arbeiter namens Peter, der Jahrzehnte bei Ford malochte und die SPD wählte. Bis, ja, bis er seinen Job und damit den einzigen Halt in seinem Leben verliert und sein Frust in Positionen der AfD scheinbar Gehör findet.
„Hateland: Deep State“
Noch so eine Reportage, wie sie sich nur die Öffentlich-Rechtlichen leisten können beziehungsweise wollen und auch sollen: Investigativ-Journalist Martin Kaul begibt sich auf die Spuren der sogenannten Reichsbürger, die einst einen Umsturz Deutschlands planten, der – kein Spoiler – bisher nie gelang. Kaul zeichnet „den Weg des inzwischen 72-jährigen Rüdiger von Pescatore nach“, einst ein Elite-Soldat auf der Suche nach einer neuen Berufung, reist nach Südamerika, sucht aus DDR-Beständen verschwundene Waffen und hinterfragt unbelegte Verschwörungstheorien. Hinter allem steht die Frage: Wer sind oder waren diese selbsternannten Reichsbürger? Harmlose Spinner, Rentnerkommando – oder doch eine terroristische Vereinigung?
„Hateland: Deep State“ soll den Auftakt einer „Hateland“-Reihe bilden, präsentiert von „Hart, aber fair“-Moderator Louis Klamroth.
„Barmbek Bump“
Habe erst zwei der jeweils rund viertelstündigen NDR-Folgen gehört. Aber ey: Bjarne Mädel und Olli Dittrich alias „Prange vs. Rohde“ als Nachbarn in Hamburg-Barmbek, die im gefühlten Freestyle über Wrestling und die Welt schnacken/philosophieren. What’s not to like?
„Battle Of The Nerds“
Okayes Konzept, gute Leute, Halbwertszeit fraglich: In „Battle Of The Nerds“ müssen sich Eva Schulz und Ralph Caspers pro Folge mithilfe von zwei Nerds und unter Beobachtung von Nilz Bokelberg möglichst viel Wissen zu zum Beispiel „Game Of Thrones“, „The Simpsons“ oder „Star Wars“ drauf schaffen. Problem: Zuhörende steigen mutmaßlich entweder sofort aus, weil ihnen der Zugang zum Thema komplett fehlt – oder im Laufe der Folge, weil sie sich selbst auskennen und deshalb kaum Neues erfahren. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es laut Podcatcher meiner Wahl bisher nicht mehr als vier Folgen gegeben hat.
Honorable-Mention-Einschub #1: „Pop-Plädoyer“
Mein 90er-Podcast „Never Forget“ liegt zwar weiterhin auf Eis. Dafür durfte ich Ende 2025 gleich in zwei anderen Podcasts als Gast ins Mikro sprechen.
Der erste: Dominic Schäfer startete im August seinen Podcast „Pop-Plädoyer – Im Zweifel für den Angeklagten“. Seine zwar iwie konstruierte, aber grundsympathische und popliebende Idee: In einem fiktiven Gerichtssaal verteidigen Gästinnen und Gäste Alben der Popmusikgeschichte, die laut ihnen besser sind als ihr Ruf. Die zu unrecht nicht die Aufmerksamkeit erfuhren, die ihnen hätte zuteil werden sollen. Oder die im Backkatalog einer sonst großen Band nicht auf Platz 1 der Fan- oder Kritikerlieblinge auftauchen.
Ich schlug unter anderem „One Hot Minute“ von den Red Hot Chili Peppers und „The Bends“ von Radiohead. Wir einigten uns sodann auf „Viva La Vida (Or Death And All His Friends)“ von Coldplay. Und so kam es, dass ich von Dominic über zwei Stunden hinweg fachkundig verhört wurde, mich an das „Yellow“-Video, ein Konzert in der Brixton Academy und meinen und Chris Martins „Shirt über Longsleeve“-Look erinnerte, mich zu Sätzen wie denen hier hinreißen ließ und zu dem eigenen Urteil kam: Selbst all die nach „Viva La Vida“ folgenden Alben sind, zumindest teilweise, besser als ihr von EDM-Anleihen und stadionesken Banalitäten geprägten Ruf. Und der ist ja schon, zumindest unter all den heutigen Ü40-Zeitzeug*innen, ihrer ersten beiden Alben „Parachutes“ und „A Rush Of Blood To The Head“, seit über 20 Jahren nicht mehr der beste.
Honorable-Mention-Einschub #2: „Life In Mixtapes“
Der zweite, in dem ich zu Gast war: Für ihren Podcast „Life in Mixtapes“ sprach ich mit Christian Stangl und Lukas Filipek, ihres Zeichens einst Mitglieder der Wiener Indierockband Petsch Moser (die einem Album 1999 in Anlehnung an R.E.M. den wunderbaren Titel „Bitte Sweet Me“ verpassten), über ihre und meine Jugendliebe Grunge. So erlebte ich zum ersten und vielleicht auch letzten Mal die Vorstellung meiner Person als „Fabian Soethof aus Deutschland“. LOL, pardon, leiwand! Wir rankten die 15 „besten“ Alben des Genres, inkusive Smashing Pumpkins, einigten uns als bekennende Fans auf einen zweiten Sammelplatz für die drei ersten Pearl-Jam-Alben in Folge und redeten über Courtney Love, Temple Of The Dog, den „Singles“-Soundtrack und, natürlich, Nirvana.

Männer über 40, die noch immer gerne auf Pearl-Jam-Konzerte gehen und dort bestimmt kurze Hosen tragen: Lukas Filipek, Christian Stangl und ich während unseres spätabendlichen Grunge-Talks via Video. Yield!
Der Brutto-Talk dauerte fast drei Stunden. Christian hat gehörig schneiden und kürzen müssen, das Material hat trotzdem für eine Doppelfolge á eine Stunde gereicht: In Österreich ist es Podcastern wie ihnen erlaubt, bei nicht-kommerzieller Nutzung gar nicht mal so kurze Auszüge aus Songs einzuspielen, ohne Angst vor einer Art GEMA haben zu müssen. Wenn ich mich richtig erinnere, zahlen sie dafür nicht mehr als eine sehr überschaubare Pauschalsumme.
- zur A-Seite der Grunge-Folge von „Life in Mixtapes“
- zur B-Seite der Grunge-Folge von „Life in Mixtapes“
Danke für die Einladungen!
„Hotel Matze“
Und dann hörte und höre ich, neben den eingangs erwähnten „Talk ohne Gast“ und „Apokalypse und Filterkaffee“ und abseits einiger der 43 Podcasts, die sich lohnen, immer wieder gerne „Hotel Matze“. Nach wie vor nicht deshalb, weil ich Matze Hielscher für den knallhärtesten Journalisten dieses Landes halten würde. De facto ist er ja gar keiner, wie er selbst anhaltend betont. Einige werfen ihm vor, seine Gespräche zu wohlfühlig zu gestalten. Tatsächlich empfinde ich die Folgen am schwierigsten, in denen dieser USP zum Manko wird: Wenn Friedrich Merz vor dir sitzt, musst du seine Blackrock-Phase und das deutsche Steuersystem aus dem Effeff kennen. Wenn Ulf Poschardt die Zahlen von Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas als Humbug abtut oder sich mit anderem Populismus als „Espresso Dopio des deutschen Journalismus“ inszeniert, musst du ihm das Gegenteil vorlegen können. In den Shownotes passiert das immerhin manchmal nachträglich.
Hielschers Anfang des Jahres 2025 gesetztes Ziel, neben Prominenten aus Film, Fernsehen, Pop und Politik immer öfter auch mal Expert*innen zu bestimmten Deep Dives einzuladen, holt mich auf dessen Weg überraschend gut ab. Johanna Degen über Online-Dating und Beziehungen. Journalist Gregor Schmalzried sowie Philosoph Markus Gabriel über KI. Ilan Stephani über Sex. Lynartas über die Verteilung von Reichtum in Deutschland. Familienexpertin Nora Imlau über Kinder, Erziehung und Erwartungen. Soziologe Aladin El-Mafaalani über gesellschaftliches und politisches Vertrauen. All das gab und gibt mir – neben anders interessanten Einblicken dahingehend, wie etwa Howard Carpendale, Boris Becker, Till Reiners, Fabian Köster oder Tahsim Durgun „so ticken“ – zu denken. Und mehr kann ich von einem Podcast doch kaum erwarten. Zumal ich Zahlen, Fakten und Zusammenhänge, so wichtig sie auch sind, ohnehin ständig wieder vergesse.
Oh, das sollte ich Journalist wohl auch nicht öffentlich sagen.
+++ Falls nicht verlinkt oder eingebettet, solltet Ihr alle genannten Podcasts bei den Streamingdiensten oder Podcast-Apps Eurer Wahl problemlos selbst finden. +++
Weiterlesen:
- Listenwahn: Meine Lieblingsalben des Jahres 2025
- Ein paar Serien, die ich im Jahr 2025 mehr oder weniger gern gesehen (und zumindest noch nicht wieder vergessen) habe
- 43 Podcasts, die sich lohnen
- Audio Killed The Radio Star: Wie Podcasts die Mediennutzung verändern
- „Podcasts sind ein riesiger Fanzine-Pool“: Maria und Nilz Lorenz-Bokelberg im Interview
- 10 Fakten über deutschsprachige Musikpodcasts



0 Kommentare